| |
Sie sind Oberbürgermeisterin von Pforzheim, wie haben Sie das geschafft? |
Ich bin seit rund 20 Jahren aktiv in der Kommunalpolitik engagiert. Davon war ich knapp elf Jahre Stadträtin. Meine Leidenschaft gehört dem Kommunalen. Mit Ausdauer, Kontinuität in der Arbeit und mit ehrlichen, durchaus auch unpopulären Antworten konnte ich die Bürger und Bürgerinnen in Pforzheim überzeugen. |
|
| |
Wollten Sie schon immer Bürgermeisterin werden? |
| Nein, meine beruflichen Vorstellungen gingen in eine völlig andere Richtung. Es ergeben sich aber im Leben Situationen und Chancen, die man erkennen und ergreifen muss. Nach dem Besuch des Hilda-Gymnasiums in Pforzheim war ich auf der Finanzfachhochschule Karlsruhe, Fachrichtung Steuerverwaltung, und machte dort die Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst, Diplom-Finanzwirt. Zwischen 1971 und 1977 war ich Finanzbeamtin des gehobenen Dienstes und Amtsprüferin beim Finanzamt Pforzheim. Zwischen 1977 und 1978 besuchte ich die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Karlsruhe, seit 1978 bin ich Steuerbevollmächtigte. Ob als Vorsitzende des Trägervereins Bürgerhaus Buckenberg-Haidach, als Kommunalpolitikerin im Pforzheimer Gemeinderat oder in den Aufsichtsräten der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Stadtbau, der Volkshochschule und der Gesellschaft zur beruflichen Eingliederung: Ein starkes politisches und soziales Engagement und ein starkes Interesse an den Menschen sind Kennzeichen meiner persönlichen Arbeit. |
|
| |
Hatten Sie Vorbilder? |
| Ich komme aus einer politisch-denkenden Familie, wenngleich es hier die unterschiedlichsten Strömungen gab und gibt. Ein Großvater meines Mannes war beispielsweise Bürgermeister in der Gemeinde Kieselbronn. Dieses politische Bewusstsein war immer schon verbunden mit einem hohen Maß an sozialem Engagement und der Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung für andere. |
|
| |
Was war ausschlaggebend, dass Sie sich hauptberuflich der Kommunalpolitik widmeten? |
| Ich war viele Jahre innerhalb meines Stadtteils ehrenamtlich tätig und habe mich dort auf verschiedenen Ebenen eingebracht. An einem gewissen Punkt wollte ich dieses Engagement ausdehnen und mich für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt als Stadträtin einsetzen. Meine Tätigkeit im Gemeinderat der Stadt Pforzheim ist schließlich die Basis dafür, dass ich Hobby zum Beruf machen konnte. | |
| |
Ihr Wahlkampf führte zum Erfolg. Hatten Sie besondere Themen besetzt? |
| Selbstverständlich! Es ging mir darum, verkrustete Strukturen aufzubrechen, für frischen Wind zu sorgen, die wirtschaftlichen Stärken Pforzheims herauszuarbeiten und Pforzheim als „Wohlfühlstadt“ zu kommunizieren. Mein Ziel war, eine positive Grundhaltung der Pforzheimer und Pforzheimerinnen zu ihrer Stadt zu erzeugen, indem ich nicht Vergangenes beklagt, sondern die Stärken aufgezeigt habe. | |
| |
Bei welchen Themen sind Frauen Ihrer Meinung nach besonders glaubwürdig? |
| Ich glaube nicht, dass es bei dieser Frage große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Es gibt vielleicht gewisse Stärken, die ich als Frau in die Politik mit einbringen kann. Ich glaube, dass die kommunikativen Elemente in der heutigen Zeit eine enorme Rolle spielen, und da haben die Männer meines Erachtens noch zu lernen. Frauen können mit einer größeren Offenheit und weniger verbissen Problemstellungen ansprechen. Wenngleich nach meiner bisherigen Erfahrung Männer sich mit diesem Stil noch etwas schwer tun. | |
| |
Sie haben einen Mann und drei Kinder, wie vereinbaren Sie Beruf und Familie? |
| Glücklicherweise sind meine Kinder bereits den Kinderschuhen entwachsen. Mittlerweile können sie allein laufen und müssen nicht mehr an die Hand genommen werden. Einschränkungen muss die Familie selbstverständlich durch meine Arbeit hinnehmen. | |
| |
Vor kurzem haben Sie ein Netzwerk für Bürgermeisterinnen gegründet, was versprechen Sie sich davon? |
| Es ist nicht nur in Baden-Württemberg zu beobachten, dass immer mehr Frauen in politisch verantwortliche Positionen gewählt werden. So ist es ganz natürlich, wenn wir uns zu einem Erfahrungsaustausch begegnen, kommunizieren und unsere lokale Arbeit auf „größere Beine stellen“. Der gegenseitige Erfahrungsaustausch, die Suche nach Übereinstimmung in wichtigen politischen Fragen werden in der Zukunft eine neue Dynamik in die Politik bringen. | |
| |
Im nächsten Jahr sind Gemeinderatswahlen. Wie wichtig ist eine ausgewogene Mitwirkung von Frauen und Männern an kommunalen Entscheidungsprozessen? |
| Extrem wichtig. In meiner Zeit als Stadträtin hat sich der Anteil von Frauen im Gemeinderat stetig erhöht. Das war und ist gut so. Wir haben als Frauen – auch fraktionsübergreifend – Diskussionsverläufe verändert und in der Kommunalpolitik neue Akzente gesetzt. Nicht, dass ich missverstanden werde: Die Männer machen ihre Sache gut. Aber die Bereicherung der Politik durch uns Frauen ist kaum zu übersehen. | |
| |
Würden Sie Frauen ermutigen, in die Kommunalpolitik zu gehen? |
| Auf was sollten die Kandidatinnen dabei achten, um erfolgreich zu sein? Wir Frauen dürfen keine Berührungsängste haben und sollten weiterhin konsequent unseren Weg – auch in der Kommunalpolitik – gehen. Der Zeitbedarf als Stadträtin ist allerdings nicht unerheblich. Ich hatte und habe das große Glück, dass meine ganze Familie mein Engagement stets mitgetragen hat, was ich für ganz wesentlich halte. Frauen sollten m. E. auch nicht versuchen, den Führungsstil der männlichen Kollegen übernehmen zu wollen, nur weil der vermeintlich erfolgreicher scheint. Gerade der Unterschied ist doch das, was die Stärke der Frauen ausmacht. Ein kommunikativer Führungsstil ist zugegebenermaßen anstrengender, aber auf Dauer gesehen von nachhaltigerer Wirkung. | |





