AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 20 - 2/2003
   

Evangelische kirchliche Frauenbildung

Von Annegret Brauch, Leiterin der Frauenarbeit der Evangelischen Landeskirche in Baden

Die Frauen sitzen über Bibel und Arbeitsblatt gebeugt. Sie lesen konzentriert, plötzlich lacht eine auf: „Das ist echt ne gute Strategie. Die redet und nervt so lange, bis sie ihr Geld kriegt. Und das als rechtlose Witwe in dieser Zeit.“ Die andern stimmen ihr zu. Dann erzählen sie von ihren eigenen Strategien, erfolgreichen und weniger erfolgreichen, im Beruf, gegenüber Vorgesetzten, in Gremien, in der Familie und lachen und freuen sich über besonders ausgefallene. Die höchst unterschiedlichen „Durchsetzungsstrategien“ von Frauen in der Bibel zu entdecken und auszuprobieren, finden sie eine spannende Fragestellung … – eine Momentaufnahme von der Langzeitfortbildung „Lebendige Theologie der Frauen – Einführung in feministische Theologie“, die derzeit von Frauenarbeit und Erwachsenenbildung der Badischen Landeskirche durchgeführt wird. Die Teilnehmerinnen, zwischen 36 und 64 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichen Berufsfeldern, einige sind kirchlich engagiert, andere nicht. Gemeinsam ist ihnen das große Interesse an einer frauenorientierten Theologie und Spiritualität.

Annegret Brauch
Annegret Brauch

     

In Württemberg findet zeitgleich, als Kooperation von evangelischen und katholischen Frauenorganisationen, ein ähnlicher Studienkurs mit dem Titel „Der andere Blick“ statt. Feministische Theologie und Spiritualität nehmen in der kirchlichen Frauenbildungsarbeit einen zentralen Platz ein. Der Rat, klug und ohne Falsch zu sein, den Jesus seinen Freundinnen und Freunden gibt, ist eine Art Leitwort in der Bildungsarbeit von und für Frauen. Dies gilt insbesondere für Angebote im Themenbereich Führen und Leiten. Dreimal fand in Baden bisher das Training für Frauen, die ihren eigenen Führungsstil entwickeln wollen, statt. In dieser zertifizierten Fortbildung haben haupt- und ehrenamtlich in Leitungsfunktionen tätige Frauen gelernt, die eigene Organisation zu diagnostizieren, mit Konflikten umzugehen, Durchsetzungsstrategien zu entwickeln, und am eigenen Führungsstil gearbeitet. Und die in beiden Landeskirchen große Resonanz auf das Pilotprojekt Mentoring für haupt- und ehrenamtlich tätige Frauen, die neu in Leitungsämtern sind, zeigt einmal mehr, wie groß Bedarf und Interesse in diesem Bereich sind. In einem weiteren nächsten Schritt wird es darum gehen, diese Programme auch institutionell stärker zu verankern, damit nachhaltig die Kompetenzen und Qualifikationen von Frauen zum Zug kommen.

Ziel ist, dass Frauen für Leitungsfunktionen in männlich geprägten Gremien und Institutionen fit werden, sich gegenseitig unterstützen und miteinander vernetzen, damit sie mit Eigen-Sinn die Perspektiven von und für Frauen einbringen und kirchen- und gesellschaftspolitisch stärker Einfluss nehmen. In diesem Sinne engagieren wir uns für geschlechtergerechte Verhältnisse in Kirche und Gesellschaft.

Neben den Angeboten auf landeskirchlicher Ebene findet Bildungsarbeit mit Frauen hauptsächlich in den Gemeinden und auf regionaler Ebene statt. Dort sind es vor allem die Ideen- und Materialbörsen, die regelmäßige Fortbildungen für Leiterinnen von Frauengruppen und -kreisen ermöglichen. Sie dienen der Qualifizierung für die Arbeit mit Gruppen, der Erarbeitung von thematischen Schwerpunkten, dem kollegialen Austausch und der Vernetzung untereinander.

Auf Gemeindeebene geschieht Bildungsarbeit mit Frauen in Gruppen und Kreisen, durch Angebote für allein Erziehende, in Mütter-Kind-Gruppen, beim Frauenfrühstück, in den Werkstätten zum Weltgebetstag der Frauen u.a.m. Die Themen in den landesweit über 8000 Gruppen und Kreisen sind breit gefächert. Sie reichen von Fragen der persönlichen Lebensgestaltung und -begleitung, über Ernährungs- und Gesundheitsfragen, greifen aktuelle Themen aus Gesellschaft und Politik auf. Zahlreiche Veranstaltungen stehen derzeit im Zusammenhang mit dem Jahr der Bibel 2003. An vielen Orten werden Lydiafeste gefeiert, die zur Begegnung mit einer selbstbewussten und interessanten Frau aus den Anfängen des Christentums einladen. Im Rahmen der Ökumenischen Dekade Gewalt überwinden (2001–2010) liegt der Schwerpunkt der kommenden Jahre bei den Themen Gewalt gegen Frauen und Mädchen und Menschenhandel und Prostitution.

 
„Seid klug wie die
Schlangen und
ohne Falsch wie die
Tauben…“ –


Veranstaltungs-
programme, mit Reisen für Frauen, das Magazin „ganz persönlich“ und Arbeitshilfen erhalten Sie bei der Frauenarbeit der Ev. Landeskirche in Baden,
Fon: 0721/ 9175-323,
Fax: 0721/9175-329,
E-Mail: frauenarbeit@ ekiba.de, www.ekiba.de

Frauenarbeit der Ev. Landeskirche in
Württemberg, Fon: 0711/ 2068-279,
Fax: 0711/20 68-335,
E-Mail: frauenarbeit@elk-wue.de,
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