| Evangelische kirchliche Frauenbildung
Von Annegret Brauch, Leiterin der Frauenarbeit der
Evangelischen Landeskirche in Baden
Die Frauen sitzen über Bibel und Arbeitsblatt gebeugt.
Sie lesen konzentriert, plötzlich lacht eine auf: „Das ist echt
ne gute Strategie. Die redet und nervt so lange, bis sie ihr Geld
kriegt. Und das als rechtlose Witwe in dieser Zeit.“ Die andern
stimmen ihr zu. Dann erzählen sie von ihren eigenen Strategien,
erfolgreichen und weniger erfolgreichen, im Beruf, gegenüber Vorgesetzten,
in Gremien, in der Familie und lachen und freuen sich über besonders
ausgefallene. Die höchst unterschiedlichen „Durchsetzungsstrategien“
von Frauen in der Bibel zu entdecken und auszuprobieren, finden
sie eine spannende Fragestellung … – eine Momentaufnahme von der
Langzeitfortbildung „Lebendige Theologie der Frauen – Einführung
in feministische Theologie“, die derzeit von Frauenarbeit und Erwachsenenbildung
der Badischen Landeskirche durchgeführt wird. Die Teilnehmerinnen,
zwischen 36 und 64 Jahre alt, kommen aus unterschiedlichen Berufsfeldern,
einige sind kirchlich engagiert, andere nicht. Gemeinsam ist ihnen
das große Interesse an einer frauenorientierten Theologie und Spiritualität. |
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Annegret Brauch
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In Württemberg findet zeitgleich, als
Kooperation von evangelischen und katholischen Frauenorganisationen,
ein ähnlicher Studienkurs mit dem Titel „Der andere Blick“ statt.
Feministische Theologie und Spiritualität nehmen in der kirchlichen
Frauenbildungsarbeit einen zentralen Platz ein. Der Rat, klug und
ohne Falsch zu sein, den Jesus seinen Freundinnen und Freunden gibt,
ist eine Art Leitwort in der Bildungsarbeit von und für Frauen.
Dies gilt insbesondere für Angebote im Themenbereich Führen und
Leiten. Dreimal fand in Baden bisher das Training für Frauen, die
ihren eigenen Führungsstil entwickeln wollen, statt. In dieser zertifizierten
Fortbildung haben haupt- und ehrenamtlich in Leitungsfunktionen
tätige Frauen gelernt, die eigene Organisation zu diagnostizieren,
mit Konflikten umzugehen, Durchsetzungsstrategien zu entwickeln,
und am eigenen Führungsstil gearbeitet. Und die in beiden Landeskirchen
große Resonanz auf das Pilotprojekt Mentoring für haupt- und ehrenamtlich
tätige Frauen, die neu in Leitungsämtern sind, zeigt einmal mehr,
wie groß Bedarf und Interesse in diesem Bereich sind. In einem weiteren
nächsten Schritt wird es darum gehen, diese Programme auch institutionell
stärker zu verankern, damit nachhaltig die Kompetenzen und Qualifikationen
von Frauen zum Zug kommen.
Ziel ist, dass Frauen für Leitungsfunktionen in männlich
geprägten Gremien und Institutionen fit werden, sich gegenseitig
unterstützen und miteinander vernetzen, damit sie mit Eigen-Sinn
die Perspektiven von und für Frauen einbringen und kirchen- und
gesellschaftspolitisch stärker Einfluss nehmen. In diesem Sinne
engagieren wir uns für geschlechtergerechte Verhältnisse in Kirche
und Gesellschaft.
Neben den Angeboten auf landeskirchlicher Ebene findet
Bildungsarbeit mit Frauen hauptsächlich in den Gemeinden und auf
regionaler Ebene statt. Dort sind es vor allem die Ideen- und Materialbörsen,
die regelmäßige Fortbildungen für Leiterinnen von Frauengruppen
und -kreisen ermöglichen. Sie dienen der Qualifizierung für die
Arbeit mit Gruppen, der Erarbeitung von thematischen Schwerpunkten,
dem kollegialen Austausch und der Vernetzung untereinander.
Auf Gemeindeebene geschieht Bildungsarbeit mit Frauen
in Gruppen und Kreisen, durch Angebote für allein Erziehende, in
Mütter-Kind-Gruppen, beim Frauenfrühstück, in den Werkstätten zum
Weltgebetstag der Frauen u.a.m. Die Themen in den landesweit über
8000 Gruppen und Kreisen sind breit gefächert. Sie reichen von Fragen
der persönlichen Lebensgestaltung und -begleitung, über Ernährungs-
und Gesundheitsfragen, greifen aktuelle Themen aus Gesellschaft
und Politik auf. Zahlreiche Veranstaltungen stehen derzeit im Zusammenhang
mit dem Jahr der Bibel 2003. An vielen Orten werden Lydiafeste gefeiert,
die zur Begegnung mit einer selbstbewussten und interessanten Frau
aus den Anfängen des Christentums einladen. Im Rahmen der Ökumenischen
Dekade Gewalt überwinden (2001–2010) liegt der Schwerpunkt der kommenden
Jahre bei den Themen Gewalt gegen Frauen und Mädchen und Menschenhandel
und Prostitution. |
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„Seid klug wie die
Schlangen und
ohne Falsch wie die
Tauben…“ – |
Veranstaltungs-
programme, mit Reisen für Frauen, das Magazin „ganz persönlich“
und Arbeitshilfen erhalten Sie bei der Frauenarbeit der Ev.
Landeskirche in Baden,
Fon: 0721/ 9175-323,
Fax: 0721/9175-329,
E-Mail: frauenarbeit@
ekiba.de, www.ekiba.de
Frauenarbeit der Ev. Landeskirche in
Württemberg, Fon: 0711/ 2068-279,
Fax: 0711/20 68-335,
E-Mail: frauenarbeit@elk-wue.de,
www.eva-n-gelisch.
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