AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 20 - 2/2003
   

Katholische kirchliche Frauenbildung

Von Barbara Schwarz-Sterra, Diözese Rottenburg-Stuttgart, Fachbereich Frauen

Auftrag kirchlicher Erwachsenenbildung ist die Wegbegleitung von Menschen, die Fragen nach der eigenen Verantwortung, nach dem Sinn des Lebens umfasst, ebenso wie die Vermittlung spezifischer Kompetenzen im beruflichen und sozialen Bereich. Und nicht zuletzt geht es ihr um eine kritische Teilhabe bei der Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Themen.

Frauenbildung greift in diesem Kontext u. a. Fragestellungen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf und bietet Kurse wie „Strategien zum Wiedereinstieg in den Beruf“ oder Seminare zum ehrenamtlichen Engagement in Kommune und Kirchengemeinderat an und unterstützt Frauen damit in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen. Unabhängig davon, ob es sich um spezifisch religiöse Themen handelt oder nicht, ist Frauenbildung dem christlichen Glauben und dessen Tradition verpflichtet. Das ist der besondere Ansatz kirchlicher Bildungsarbeit. Grundlage katholischer Frauenarbeit sind die Prinzipien, die im Hirtenwort der deutschen Bischöfe „Zu Fragen der Stellung der Frau in Kirche und Gesellschaft“ von 1981 veröffentlicht wurden. Darin heißt es u. a.: „Die Kirche soll Modell für das gleichwertige und partnerschaftliche Zusammenleben und -wirken von Männern und Frauen sein.“

An diesem Auftrag, auf die Chancengleichheit von Frauen und Männern hinzuwirken, muss nicht nur in der Kirche, sondern auch nach Art. 3, Abs. 2 GG, in Politik und Gesellschaft noch viel getan werden. Dies wird in der Bildungsarbeit, der Beratung, der Interessensvertretung in Gremien und in Netzwerken thematisiert. Frauenbildnerinnen in der Diözese fühlen sich deshalb u. a. als Anwältinnen dieser Anliegen Frauen verpflichtet und herausgefordert, an der Zielsetzung einer gleichberechtigten Teilhabe in Kirche und Gesellschaft zu arbeiten und entsprechende Prozesse zu unterstützen.

Dies geschieht z. B. konkret im Themenschwerpunkt Kommunikation mit dem Ziel, selbstbewusstes Auftreten von Frauen in alltäglichen Gesprächssituationen zu fördern und sie zu befähigen, ihre Sprache und ihr geschlechtsspezifisches Sprechverhalten zu analysieren und kritisch zu hinterfragen. Ein weiteres Angebot legt den Schwerpunkt auf die Klärung der eigenen Rolle im komplexen Geflecht des Arbeitsalltages. Hier stehen die zunehmenden beruflichen Anforderungen für Teilnehmerinnen mit Leitungsaufgaben im Mittelpunkt. Ziel dieser Fort- und Weiterbildung ist es, die unterschiedlichen Erwartungen zu analysieren, Entscheidungsprozesse einzuleiten, zu begleiten, um zu guten, konstruktiven Lösungen im Interesse aller zu gelangen. Andere Bildungsangebote wollen eine Streitkultur fördern, die, vom christlichen Verständnis geleitet, auf einen achtsameren und wertschätzenderen Umgang miteinander abzielt.

Im Zentrum der Themen steht die Spiritualität. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die biblische Tradition viel reicher an sprachlichen Gottesbildern durch die Forschung von Theologinnen geworden. Frauen machen sich zunehmend auf den Weg, ihre eigene Spiritualität in Liturgie und Sprache innerhalb, aber auch außerhalb der Kirche zu entwickeln. Der Ökumenische Frauenkongress von 1997 setzt mit 1400 Teilnehmerinnen diesbezüglich einen wichtigen Impuls.

Barbara Schwarz-Sterra
Barbara Schwarz-Sterra



     
Im Jahr 2000 haben Hunderttausende am bundesweiten katholischen Frauenprojekt zur Frage im Markus-Evangelium „Wer wird den Stein wegrollen“ (Mk 16, 1–8) teilgenommen. Der 800 kg schwere Stein, der im Mittelpunkt des Projektes stand, sollte dazu anregen, innezuhalten, „Steine“ im Leben von Frauen in Kirche, Gesellschaft und Politik als Fragen von Gewicht zu begreifen. Und er sollte die Erfahrung wachrufen, die uns aus der Frauengeschichte bekannt ist, dass es möglich ist, selbst unbeweglich erscheinende Steine in Bewegung zu bringen – wenn Frauen das ihre dazu tun.
     
Damit ist nur angedeutet, wie facettenreich die Palette der kirchlichen Frauenbildung ist. Die Vielfalt der Angebote u. a. in den Schwerpunkten Geschichte, Politik und Gesellschaft, Theologie, Ökumene, Kultur und Psychologie wird von vielen ehrenamtlich engagierten Frauen und wenigen Hauptamtlichen in der Diözese bewerkstelligt. Denn nur in sechs von 24 Bildungswerken haben Frauen einen spezifischen Auftrag in der Frauenbildung und tun dies in Teilzeit ebenso wie zwei Frauen, die die Leitung eines Bildungswerkes übernommen haben. Auf Diözesanebene stehen zwei Planstellen im Fachbereich Frauen und eine halbe Stelle als Frauenbeauftragte zur Verfügung. Auch beim Katholischen Deutschen Frauenbund sieht die personelle Besetzung nicht besser aus. Insofern zeigen die faktischen Ressourcen auch die Grenzen dessen, was möglich ist.  
Auf Bundesebene gibt es 2003 unter www.frauenseelsorge. de für die wachsende Zahl von Frauen, die das Internet nutzen, ein spirituelles Angebot: „Exerzitien im Alltag per Internet“.