| Katholische kirchliche Frauenbildung
Von Barbara Schwarz-Sterra, Diözese Rottenburg-Stuttgart,
Fachbereich Frauen
Auftrag kirchlicher Erwachsenenbildung ist die Wegbegleitung
von Menschen, die Fragen nach der eigenen Verantwortung, nach dem
Sinn des Lebens umfasst, ebenso wie die Vermittlung spezifischer
Kompetenzen im beruflichen und sozialen Bereich. Und nicht zuletzt
geht es ihr um eine kritische Teilhabe bei der Auseinandersetzung
mit gesellschaftspolitischen Themen.
Frauenbildung greift in diesem Kontext u. a. Fragestellungen
der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auf und bietet Kurse wie
„Strategien zum Wiedereinstieg in den Beruf“ oder Seminare zum ehrenamtlichen
Engagement in Kommune und Kirchengemeinderat an und unterstützt
Frauen damit in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen. Unabhängig
davon, ob es sich um spezifisch religiöse Themen handelt oder nicht,
ist Frauenbildung dem christlichen Glauben und dessen Tradition
verpflichtet. Das ist der besondere Ansatz kirchlicher Bildungsarbeit.
Grundlage katholischer Frauenarbeit sind die Prinzipien, die im
Hirtenwort der deutschen Bischöfe „Zu Fragen der Stellung der Frau
in Kirche und Gesellschaft“ von 1981 veröffentlicht wurden. Darin
heißt es u. a.: „Die Kirche soll Modell für das gleichwertige und
partnerschaftliche Zusammenleben und -wirken von Männern und Frauen
sein.“
An diesem Auftrag, auf die Chancengleichheit von
Frauen und Männern hinzuwirken, muss nicht nur in der Kirche, sondern
auch nach Art. 3, Abs. 2 GG, in Politik und Gesellschaft noch viel
getan werden. Dies wird in der Bildungsarbeit, der Beratung, der
Interessensvertretung in Gremien und in Netzwerken thematisiert.
Frauenbildnerinnen in der Diözese fühlen sich deshalb u. a. als
Anwältinnen dieser Anliegen Frauen verpflichtet und herausgefordert,
an der Zielsetzung einer gleichberechtigten Teilhabe in Kirche und
Gesellschaft zu arbeiten und entsprechende Prozesse zu unterstützen.
Dies geschieht z. B. konkret im Themenschwerpunkt
Kommunikation mit dem Ziel, selbstbewusstes Auftreten von Frauen
in alltäglichen Gesprächssituationen zu fördern und sie zu befähigen,
ihre Sprache und ihr geschlechtsspezifisches Sprechverhalten zu
analysieren und kritisch zu hinterfragen. Ein weiteres Angebot legt
den Schwerpunkt auf die Klärung der eigenen Rolle im komplexen Geflecht
des Arbeitsalltages. Hier stehen die zunehmenden beruflichen Anforderungen
für Teilnehmerinnen mit Leitungsaufgaben im Mittelpunkt. Ziel dieser
Fort- und Weiterbildung ist es, die unterschiedlichen Erwartungen
zu analysieren, Entscheidungsprozesse einzuleiten, zu begleiten,
um zu guten, konstruktiven Lösungen im Interesse aller zu gelangen.
Andere Bildungsangebote wollen eine Streitkultur fördern, die, vom
christlichen Verständnis geleitet, auf einen achtsameren und wertschätzenderen
Umgang miteinander abzielt.
Im Zentrum der Themen steht die Spiritualität. In
den letzten zwei Jahrzehnten ist die biblische Tradition viel reicher
an sprachlichen Gottesbildern durch die Forschung von Theologinnen
geworden. Frauen machen sich zunehmend auf den Weg, ihre eigene
Spiritualität in Liturgie und Sprache innerhalb, aber auch außerhalb
der Kirche zu entwickeln. Der Ökumenische Frauenkongress von 1997
setzt mit 1400 Teilnehmerinnen diesbezüglich einen wichtigen Impuls. |
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Barbara Schwarz-Sterra
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| Im Jahr 2000 haben Hunderttausende
am bundesweiten katholischen Frauenprojekt zur Frage im Markus-Evangelium
„Wer wird den Stein wegrollen“ (Mk 16, 1–8) teilgenommen. Der 800
kg schwere Stein, der im Mittelpunkt des Projektes stand, sollte dazu
anregen, innezuhalten, „Steine“ im Leben von Frauen in Kirche, Gesellschaft
und Politik als Fragen von Gewicht zu begreifen. Und er sollte die
Erfahrung wachrufen, die uns aus der Frauengeschichte bekannt ist,
dass es möglich ist, selbst unbeweglich erscheinende Steine in Bewegung
zu bringen – wenn Frauen das ihre dazu tun. |
| Damit ist nur angedeutet, wie facettenreich
die Palette der kirchlichen Frauenbildung ist. Die Vielfalt der Angebote
u. a. in den Schwerpunkten Geschichte, Politik und Gesellschaft, Theologie,
Ökumene, Kultur und Psychologie wird von vielen ehrenamtlich engagierten
Frauen und wenigen Hauptamtlichen in der Diözese bewerkstelligt. Denn
nur in sechs von 24 Bildungswerken haben Frauen einen spezifischen
Auftrag in der Frauenbildung und tun dies in Teilzeit ebenso wie zwei
Frauen, die die Leitung eines Bildungswerkes übernommen haben. Auf
Diözesanebene stehen zwei Planstellen im Fachbereich Frauen und eine
halbe Stelle als Frauenbeauftragte zur Verfügung. Auch beim Katholischen
Deutschen Frauenbund sieht die personelle Besetzung nicht besser aus.
Insofern zeigen die faktischen Ressourcen auch die Grenzen dessen,
was möglich ist. |
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| Auf Bundesebene gibt es 2003
unter www.frauenseelsorge.
de für die wachsende Zahl von Frauen, die das Internet nutzen,
ein spirituelles Angebot: „Exerzitien im Alltag per Internet“. |
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