| Gender-Forschungsinstitut
tifs e.V. in Tübingen
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Frauenbildung: Was gibt es da zu forschen? |
Gesellschaftliche Entwicklungen,
veränderte Bildungsinteressen von Frauen und theoretische
Gender-Diskurse erfordern in der Frauenbildung konzeptionelle
und strukturelle Veränderungsprozesse, die wir wissenschaftlich
begleiten. Es handelt sich dabei um geschlechterdifferenzierende
Ansätze der Frauenbildung, aber auch der koedukativen Erwachsenenbildung.
So zeigt sich in der Evaluierung von Erfolgskriterien
und -faktoren für die berufliche Förderung und Orientierung
von Zielgruppen wie Frauen in schwierigen sozialen Lebenssituationen/wohnungslose
Frauen, dass eine wesentliche Voraussetzung für Erfolg in
den Rahmenbedingungen liegt. Dazu zählt der Standard „Bildung
in einem Frauenraum“, da diese Frauen meist negative Erfahrungen
in gemischtgeschlechtlichen Bereichen gemacht haben. Ein anderes
– vom Förderprogramm Frauenforschung des Sozialministeriums
Baden-Württemberg gefördertes – Projekt zu Geschlechterverhältnissen
in der Erwachsenenbildung in Baden-Württemberg verdeutlicht
den Bedarf an geschlechterbezogener Aus- und Fortbildung von
Professionellen, damit sie nicht wieder Teilnehmer und Teilnehmerinnen
auf ihre Geschlechterrollen festlegen. Dies ist auch das Thema
eines neuen Forschungsprojektes zu Selbsthilfe-Initiativen
und deren Unterstützung durch Professionelle in Kontakt- und
Beratungsstellen unter Gender-Gesichtspunkten. In einem transnationalen
Projekt vergleichen wir europäische Frauenbildungsansätze.
Das Spektrum unserer Forschungstätigkeit hat sich in den letzten
Jahren vergrößert: Die Evaluierung von geschlechterdifferenzierenden
Bildungsansätzen von und mit Frauen, mit Frauen und Männern
sowie in der europäischen Dimension verweisen auf die wachsende
Bedeutung, die der Gender-Perspektive in Praxis und Forschung
zukommt. Dem entgegen läuft ein gegenwärtig zu beobachtender
Trend, dass öffentliche Fördermittel für Frauenprojekte (auch
für außer universitäre Frauenforschung) gestrichen werden. |
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Ist Frauenbildung in Gender Mainstreaming-Zeiten
nicht antiquiert? |
Es gibt eine gewisse
Verunsicherung, inwieweit die gegenwärtige Entwicklung Frauenbildung
infrage stellt. Gender Mainstreaming – so auch die Vorgaben
der EU – soll aber eigenständige frauenpolitische Ansätze
nicht ersetzen, sondern vielmehr müssen existierende und (weiter-)zu
entwickelnde geschlechterdifferenzierende Bildungskonzepte
im Idealfall Hand in Hand gehen mit strukturellen Veränderungen
in der Geschlechterhierarchie von Organisationen. Für die
Bildungspraxis bedeutet dies, eine Variationsbreite an Ansätzen
zur Verfügung zu stellen: für Frauen, für Männer, für Frauen
und Männer. Hier ist die Bildungspolitik auch in Baden-Württemberg
gefragt. |
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Wie haben wir uns Gender Mainstreaming in der
Erwachsenenbildung vorzustellen? |
| Bildungseinrichtungen, die sich dem
Gender Mainstreaming verschreiben, konkretisieren Ziele wie
Geschlechtergerechtigkeit für freie und angestellte Mitarbeiter
und Mitarbeiterinnen, die Zielgruppen und die Bildungsgprogramme.
Mittels so genannter Gender- Analysen werden die Präsenz von
Frauen und Männern auf allen Organisationsebenen, ihre Beteiligung
an Entscheidungen, der Zugang zu Ressourcen etc. erhoben und
daraus folgende Konsequenzen umgesetzt und überprüft. Alle Mitarbeitenden
auf allen Ebenen bekommen regelmäßige Fortbildungen wie Gender-Trainings
und erwerben Gender-Kompetenzen, an deren erster Stelle geschlechterbezogene
Selbstreflexivität steht. |
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Kann man mit Gender Mainstreaming mehr Leute
begeistern als mit feministischen Ansätzen? |
| Derzeit sieht es so aus, wobei abzuwarten bleibt, ob
sich die „Begeisterung“ als Sturm im Wasserglas
erweist. Es bleibt zu hoffen, dass mit den zunehmenden
Erfahrungen im Zusammenhang mit Gender Mainstreaming
Vorbehalte gegenüber feministischen Perspektiven
abgebaut werden. |
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Interview

Dr. Gerrit Kaschuba,
tifs e.V. Tübingen.
tifs führt seit vielen Jahren geschlechter-
differenzierende Untersuchungen im Bildungsbereich durch. Dazu gehört
die allgemeine, politische und berufliche Erwachsenenbildung sowie
der Übergang von Schule in den Beruf.
| Bildungsarbeit mit
Frauen findet an
vielen Orten statt,
wird von verschiedenen
gesellschaftlichen
Gruppen und
Bildungseinrichtungen
organisiert.
Frauengerechte
Konzepte, die Inhalte,
Methoden, das
Leitungsverhalten
und Rahmenbedingungen
umfassen,
haben sich mittlerweile
etabliert. |
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