AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 2 - 1/1998
   

NOW - Die Europäische Union fördert mit dem Sozialministerium Frauen in Baden-Württemberg

In der europäischen Gemeinschaftsinitiative Beschäftigung, einem Förderinstrument im Rahmen des Europäischen Sozialfonds, ist der Aktionsbereich NOW (New Opportunities for Women) enthalten. Die Mitgliedstaaten wurden 1994 aufgefordert, die Aktionsbereiche durch operationelle Programme zu gestalten. Bereits in dieser Phase hat Baden-Württemberg seine Förderschwerpunkte

  • innovative Ausbildungsmaßnahmen im Medienbereich,
  • berufliche Weiterbildung von Frauen mit gewerblichen Tätigkeiten,
  • Vernetzung von Bildungsträgern mit regionalen Akteuren der Arbeitsmarkt- und Frauenpolitik mit dem Ziel, frauenfördernde Bildungsmaßnahmen zu vermitteln,
  • Aufstiegsförderung von Frauen im Beruf und
  • Förderung der Existenzgründung von Frauen eingebracht.
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Von den zur 1. Förderphase bis Ende Mai 1995 eingereichten Projektanträgen konnten unter Beachtung der Förderschwerpunkte und des verfügbaren Fördervolumens 11 Projekte bewilligt werden. Vier Projekte begannen noch im Jahre 1995, sechs zu Beginn des Jahres 1996 und eines zum 1.4.1996. Die seitens der EU grundsätzlich auf drei Jahre begrenzte Laufzeit der Projekte liegt mehrheitlich bei zwei Jahren, vier Projekte laufen drei Jahre. Fünf der elf Projekte sind derzeit (Januar 1998) bereits beendet.

In der 2. Förderphase - 1997 - 1999/2000 - können sechs Projekte gefördert werden, zwei begannen noch im Jahre 1997, vier nahmen ihre Arbeit Anfang 1998 auf. Zwei Projekte laufen zwei Jahre, eines zweieinhalb und drei haben eine Laufzeit von drei Jahren.

Durch die Beteiligung Baden-Württembergs an der Europäischen Gemeinschaftsinitiative Beschäftigung, Aktionsbereich NO, wurde der Finanzrahmen für die Förderung der Frauen im Beruf im Lande erheblich erweitert. Das Land stellt für den sechsjährigen Förderzeitraum Landesmittel in Höhe von ca. 2,67 Mio. DM zur Verfügung. Hinzu kommen Fördermittel von der EU in Höhe von ca. 3,13 Mio. DM. Besonders positiv ist, daß den Projekten über diese Landes- und EU-Fördermittel hinaus weitere Mittel der Arbeitsämter und der Kommunen in großem Umfang zufließen. Dies zeigt, daß diese sich von der Arbeit der Projekte geeignete Hilfen bei der Eingliederung bzw. Wiedereingliederung der Frauen in die Arbeitswelt erwarten.

So wurden von 1995 bis 2000 in Baden-Württemberg allein für die NOW-Projekte insgesamt knapp 14 Mio. DM öffentliche Fördermittel aktiviert. Dies bedeutet, daß sich durch diese Art der Projekt-finanzierung, bezogen auf die Landesförderung, jede eingesetzte Mark mehr als verfünffacht.

Projekte der 1. Förderphase (1995 - 1998)

Unterschieden nach ihren hauptsächlichen Zielen lassen sich die 11 geförderten Projekte der 1. Förderphase in drei Gruppen einteilen:

1. Berufliche Qualifizierung für neue Beschäftigungsfelder und Aufstiegsförderung (6 Projekte)
In drei Projekten wurden, bzw. werden Frauen für Multimediatätigkeiten zum Teil branchenübergreifend in eigens dafür von den Trägern entwickelten Qualifizierungsmaßnahmen geschult. Im Projekt "Frauen in Computergrafik - Multimedia-Management" wird branchenspezifisch notwendige Anpassungsqualifizierung, aber auch Aufstiegsqualifizierung angeboten. Zwei der drei Projekte sind bereits mit Erfolg beendet. Schon zwei Monate nach Abschluß der Maßnahmen hatten 14 der 25 Teilnehmerinnen einen festen Arbeitsplatz und drei weitere einen im Zusammenhang mit ihrer Praktikumsstelle in Aussicht. Dieses Ergebnis ist vor allem deshalb von Bedeutung, weil die Teilnehmerinnen überwiegend arbeitslose bzw. langzeitarbeitslose Frauen sowie Wiedereinsteigerinnen nach langen Familienpausen unterschiedlichsten Alters und mit verschiedener beruflicher Ausbildung waren.

Zwei weitere Projekte hatten das Ziel, mit Qualifizierungsmaßnahmen das berufliche Tätigkeitsspektrum der Frauen zu erweitern und ihnen so neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verschaffen. Vor allem arbeitslose Frauen, alleinerziehende Sozialhilfeempfängerinnen und Wiedereinsteigerinnen nach langjähriger Familienpause wurden qualifiziert. Ein Projekt richtete sich gezielt an Frauen, die vormals in un- und angelernten Tätigkeiten in der Produktion beschäftigt waren. Sie wurden zur Elektrotechnischen Bürofachkraft im Elektro-Handwerk und im Elektro-Großhandel ausgebildet. Das zweite Projekt vermittelt Frauen aus unterschiedlichen Branchen und Berufen umwelttechnische Zusatzqualifikationen für Tätigkeiten in Handwerk, Gewerbe, Gastronomie, sozialen Diensten und Recycling und weist interessierten Frauen auch Wege in die Selbständigkeit auf. Das dritte Projekt bildet zum einen arbeitslose Akademikerinnen zur "Europäischen Bildungsmanagerin" fort. Es wendet sich zum anderen aber auch mit Seminarangeboten zur Förderung der Gleichstellung und zum Aufstieg von Frauen an Personalverantwortliche in Betrieben und Verwaltungen.

2. Förderung der Existenzgründung von Frauen (4 Projekte)
Mit je einem Beratungs- und Qualifizierungsprojekt in jedem Regierungsbezirk des Landes fördert das Sozialministerium die Existenzgründung von Frauen. Diese vier Projekte bieten Erstberatung, Fachberatung (drei der Projekte) und Seminare sowohl zur Persönlichkeitsbildung als auch zur fachlichen Fortbildung für Frauen, die sich selbständig machen wollen. Außerdem vermitteln sie Kontakte mit bereits erfolgreich selbständigen Frauen und Begleitung während der ersten Zeit der Selbständigkeit (s.u.).

3. Vernetzung zur Frauenförderung im Beruf (1 Projekt)
Mit dem Aufbau regionaler Netzwerke zur Förderung der Frauen im Beruf befaßt sich ein Projekt. Bildungsträger, Frauenverbände und-projekte, Betriebe und Gewerkschaften, Arbeitsämter, Beratungsstellen für Frauen, Frauenbeauftragte und weitere Personen und Stellen, die Belange der Frauenförderung vor Ort vertreten, sollen auf regionaler Ebene zusammengeführt werden. Diese Netzwerke sollen einerseits die Fraueninteressen bei beruflicher Bildung und Beschäftigung aufbereiten und vertreten, andererseits Anlaufstellen für Frauen zu Fragen der beruflichen Orientierung sein.

Vor der Sommerpause 1998 werden sich alle 11 NOW-Projekte der 1. Förderphase in einer Veranstaltung des Sozialministeriums präsentieren. Dies soll der Vernetzung von Bildungsträgern und Frauenprojekten im Land, aber auch der Ergebnissicherung und -verbreitung dienen. Über den genauen Termin und Ort der Veranstaltung wird AKTIV rechtzeitig berichten.

 
     

Die Projekte der 2. Förderphase

Das Sozialministerium fördert modellhaft:

1. "Dienstleistungsagenturen" (3 Projekte)
Ziel aller drei "Dienstleistungsagenturen" ist die Qualifizierung von arbeitslosen und langzeitarbeitslosen Frauen auf dem Gebiet haushaltsbezogener Dienstleistungen einschließlich Existenzgründungen in diesem Bereich. Alle Projekte beginnen mit einer mehrmonatigen Qualifizierung der Teilnehmerinnen. Die Maßnahmen umfassen:

  • Vermittlung fachlicher Kenntnisse auf dem Gebiet haushaltsnaher Dienstleistungen,
  • Schulung sozialer Kompetenzen und
  • Vorbereitung auf eine eventuell spätere selbständige Berufstätigkeit. In diesem Bereich wird eng mit den "Existenzgründungsprojekten" der 1. Förderphase zusammengearbeitet.

Während der Qualifizierung sind alle Teilnehmerinnen bei den Projektträgern sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Bei der Durchführung der Vermittlungsagenturen liegen unterschiedliche Konzepte vor:

  • Die Agentur "Dienste nach Maß" in Mannheim soll von den Projektteilnehmerinnen selbständig weiter geführt werden, so daß auch über die Projektlaufzeit hinaus dauerhafte Arbeitsplätze geschaffen werden.
  • Im "Service-Heilbronn" ist geplant, die qualifizierten Frauen im Vermittlungspool sozialversicherungspflichtig weiter zu beschäftigen, aber auch selbständige Dienstleisterinnen zu vermitteln.
  • Das Projekt "DOMA" in Reutlingen bietet den Frauen durch die Agentur weiterhin eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Darüber hinaus wird hier ein Schulungsprogramm für das neue Berufsbild der "eigenständigen Haushaltsbetreuerin" entwickelt, das zu einem allgemein anerkannten Abschluß im Bereich haushaltsnaher Dienstleistungen führen soll.

2. Telearbeitsprojekte (3 Projekte)
Telearbeit ist im Rahmen der fortschreitenden Flexibilisierung der Arbeitswelt eine Arbeitsform, die sich durchsetzen wird. Durch Projektförderung bereitet das Sozialministerium Frauen auf die Anforderungen dieser Art beruflicher Tätigkeit persönlich und fachlich vor und begleitet die Ausgestaltung solcher Arbeitsverhältnisse hinsichtlich ihrer Sozialverträglichkeit.

  • In den Projekten "TELEPOLIS" in Sternenfels und "EUROPROFEM" in Schwäbisch Gmünd, Ellwangen und Aalen werden arbeitslose und langzeitarbeitslose Frauen in Theorie und Praxis für die Telearbeit qualifiziert und auf ihr zukünftiges Berufsfeld sowie eine mögliche Selbständigkeit in diesem Bereich vorbereitet. Gleichzeitig sollen durch entsprechende Veranstaltungen (Workshops, Seminare) und durch die Verbreitung von Projektergebnissen im Rahmen regionaler Offensiven Arbeitgeber und Führungskräfte für Telearbeit aufgeschlossen werden.
  • Das Projekt "INNOWA" in Freiburg schult Frauen zur Desktop-publishing-Fachfrau, Web-Designerin oder Officemanagerin, bietet aber auch gleichzeitig berufsbegleitende Seminare für Frauen in leitenden Positionen an. In Zusammenarbeit mit Kammern, Berufsverbänden und Sozialpartnern werden Personalverantwortliche über Telearbeit in den Qualifizierungsbereichen des Projekts informiert und für diese Arbeitsform sensibilisiert.
Am 22. Januar 1998 stellte Staatssekretärin Johanna Lichy in einer Landespressekonferenz gemeinsam mit allen Projektträgern die NOW-Projekte der 2. Förderphase der Öffentlichkeit vor.
(Foto: factum)

Baden-Württembergs besondere Art der Förderung von Existenzgründerinnen im Rahmen der NOW-Projekte

Frauen, die sich mit dem Gedanken an eine Existenzgründung tragen, haben besondere Hürden zu nehmen: von der gründlichen Abwägung der Vereinbarkeit des privaten Lebens mit der beruflichen Selbständigkeit, über die persönliche Qualifizierung hin zu einer selbstsicheren, konfliktfähigen Persönlichkeit, die in ihren Markt eintreten und bestehen kann, bis zur Analyse der vorhandenen Fachkenntnisse in Unternehmensführung. Die von Männern tendenziell abweichenden Gründungsideen der Frauen erfordern von der Beratung Einfühlungsvermögen und die Entwicklung besonderer Strategien, z.B. bei der Kapitalbeschaffung (kleine Darlehen).

Bei der Festlegung der Landesschwerpunkte für das NOW-Programm der EU hatten wir das Ziel, mit den - auf drei Jahre begrenzten - NOW-Projekten die Beratungs- und Qualifizierungsstruktur für Existenzgründerinnen im Land dauerhaft zu verbessern. In enger Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium und dem Informationszentrum für Existenzgründungen (ifex) beim Landesgewerbeamt wurde dafür Ende 1994 die Grundlage geschaffen.
Zu Beginn der NOW-Projektförderung (Ende 1995) wurde vom Rationalisierungskuratorium der deutschen Wirtschaft (RKW) Baden-Württemberg eine besondere Qualifizierungsmaßnahme für die Beraterinnen in den NOW-Projekten entwickelt, damit sie neben der kostenfreien Erstberatung existenzgründungswilliger Frauen auch die dann notwendige Fachberatung hin zu einem tragfähigen Unternehmenskonzept durchführen können.

Die Qualifizierung durch das RKW war berufsbegleitend, und es wurde vereinbart, die Beraterinnen nach erfolgreicher Teilnahme in den RKW-Beraterpool für Existenzgründungsberatungen aufzunehmen, wodurch sie selbst die Chance zur Existenzgründung erhalten.

Dieses neue erfolgreiche Konzept wirkt sich auch in anderer Hinsicht positiv aus. So können Ratsuchende fachkundig von einer vertrauten Beraterin auch noch während der ersten fünf Jahre nach der Existenzgründung beraten werden (die Beratungskosten durch RKW-Berater, pro Tag 1.314 DM werden auf Antrag beim RKW in Höhe des Landeszuschusses zur Existenzgründungsberatung von 914 DM teilerstattet). Da sich Existenzgründerinnen oft lieber von Frauen beraten lassen, ist die Verstärkung des überwiegend männlichen Beraterpools des RKW durch weibliche Kolleginnen ebenfalls positiv.

Alle Veranstaltungen der letzten Jahre zum Thema "Förderung der Existenzgründung von Frauen" haben den großen Bedarf an frauenspezifischer Beratung und Qualifizierung für Existenzgründerinnen aufgezeigt, dem die NOW-Projekte mit ihrer qualifizierten Beratung und Begleitung entsprechen. Die Qualifizierung der Beraterinnen und deren Aufnahme in den RKW-Beraterpool gewährleisten auch nach dem Auslaufen der NOW-Projektförderung eine stabile Beraterinnenstruktur für Existenzgründerinnen in Baden-Württemberg.

 
  • Frauen am Markt
    Adlerstraße 41
    76133 Karlsruhe

     

  • Frauen am Werk
    Planie 22 A
    72764 Reutlingen

     

  • Via e.V.
    Christian-Fopp-Str. 4
    88234 Wangen

     

  • Kolping Bildungswerk
    Rottenburg-Stuttgart
    Karlstraße 55
    74072 Heilbronn

     

  • KONZEPT Büro für Bildung,
    Beratung und Koordination Alleenstraße 13
    71679 Asperg

     

  • Elektro-Innung Stuttgart
    Krefelder Straße 12
    70376 Stuttgart

     

  • Neue Arbeit Zollern-Achalm e.V.
    Geschäftsstelle Tübingen
    Hechinger Straße 203
    72072 Tübingen

     

  • Förderkreis BALance
    Baden-Württemberg
    Landhausstraße 3
    69115 Heidelberg

     

  • Frau und Technik e.V.
    im DFR, Ortsring Freiburg
    Friedrichsring 37
    79098 Freiburg

     

  • Prisma e.V., Zentrum
    für Existenzgründerinnen
    C 7 / 20
    68159 Mannheim

     

  • Förderkreis Wirtschaft
    Geschäftsstelle
    Benediktiner Platz 1
    78467 Konstanz

     

  • Kolping Bildungswerk
    Koordination Europ. Projekte
    Löwenbreite Straße 25
    88326 Aulendorf

     

  • ARKUS
    Arbeits-Kultur-Selbsthilfe gGmbH
    Happelstraße 17 + 23
    74074 Heilbronn

     

  • BIOTOPIA gGmbH
    Augusta Anlage 50
    68165 Mannheim

     

  • Siehe 9.

     

  • Gemeinde Sternenfels
    Akademie Sternenfels
    Maulbronner Straße 7
    75447 Sternenfels

     

  • Reutlinger Initiative
    deutsche und ausländische
    Familien e.V.
    Ringelbachstraße 195
    72762 Reutlingen