| Gemeinsame Strategien –
Netzwerkarbeit des Multiplikatorinnen-Treffs Tübingen/Reutlingen
Von Dr. Elke Schön und Antonie Platz, Tübingen
Interessen und Belange von Frauen und Mädchen mit
so genannter geistiger Behinderung in Projekten, Programmen, Angeboten
und Planungskonzepten aufzugreifen, sie strukturell zu berücksichtigen
und ihnen einen Stellenwert zu geben, ist keine Selbstverständlichkeit.
Aus dieser Erkenntnis heraus gründeten Frauen aus Initiativen und
Einrichtungen im Jahre 1991 ein autonomes Netzwerk, den „Multiplikatorinnen-
Treff Tübingen/Reutlingen“.
Zunächst ging es den Fachfrauen aus der Region Tübingen
– Reutlingen, die u. a. in Erwachsenenbildung, Werkstätten für Behinderte,
Heimen, Wohngruppen, begleitenden Diensten und Sonderschulen arbeiten,
um Selbstreflexion ihres beruflichen Tuns. Das Entwickeln von Solidarität
und Parteilichkeit und eine Lobbybildung für Frauen und Mädchen
mit so genannter geistiger Behinderung standen im Vordergrund. In
einer ersten gemeinsamen Bestandsaufnahme zur Lebens- und Arbeitssituation
von Frauen und Mädchen mit so genannter geistiger Behinderung in
der Region wurde sichtbar, wie wichtig aus frauenpolitischer Perspektive
zur Eröffnung realer Teilhabechancen eine berufliche Förderung ist.
Schnell erweiterte sich der Multiplikatorinnenkreis: Fachfrauen
aus Einrichtungen weiterer Landkreise (Balingen, Böblingen, Calw)
beteiligen sich an Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Aktionen.
Die Frauenbeauftragte der Stadt Tübingen, Betriebsrätinnen, Frauen
aus der Frauenforschung, der Frauen- und Selbsthilfebewegung und
Politikerinnen unterstützen Podiumsdiskussionen, gemeinsame Veranstaltungen,
Fortbildungen und Veröffentlichungen.
| Arbeitsfelder und Themen der Multiplikatorinnenarbeit
sind: |
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berufliche Situation: Welche Alternativen gibt es zur Werkstatt
für Behinderte? Wie lässt sich das Berufsspektrum erweitern
und eine Zurichtung auf hausarbeitsnahe Tätigkeiten vermeiden?
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Lebenslagen und Lebensformen: Bewältigung von Krankheit, Sterben
und Tod, |
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Mädchen- und Frauenbildungsarbeit unter dem Aspekt der Förderung
von Selbstbestimmungspotenzialen, |
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präventive Konzepte und Strukturen gegen sexualisierte Gewalt
an Frauen und Mädchen in Einrichtungen/ Diensten der Behindertenhilfe
sowie |
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Qualitätsentwicklung in Einrichtungen/Diensten der Behindertenhilfe
unter frauenfördernden und Partizipation eröffnenden Aspekten. |
Im Rahmen ihres unterstützenden Netzwerks eröffnen
(Fach)Frauen heute auf einer zweiten Ebene als „Mittlerinnen“ den
Frauen und Mädchen eigene Räume, in denen Prozesse der Verständigung
und eigene Handlungspotenziale entwickelt werden können. So gibt
es seit Mitte der 90er Jahre regionale Treffen von Frauen mit so
genannter geistiger Behinderung für eigenen Dialog und eigene Initiative.
Symbolisch institutionalisiert haben sich so z. B. gemeinsame Treffen
am 8. März/Internationaler Frauentag, Selbstbehauptungsgruppen,
Frauen-Wochenenden und Frauen-Reisen. Frauen mit so genannter geistiger
Behinderung treten als Referentinnen auf und bringen auf Fachtagungen
ihre eigenen frauenpolitischen Interessen und Forderungen ein. Sie
gründen eigene Frauengruppen.
Diese Ansätze in Richtung Partizipation und Selbstbestimmung
erfahren jedoch immer wieder Rückschläge und bedürfen eigentlich
langfristig begleitender Prozesse durch Multiplikatorinnen. |
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Dr. Elke Schön

Antonie Platz,
Ansprechpartnerin für den Multiplikatorinnentreff,
Fon: 07071/94 40 51 lebenshilfe@
tuebingen.netsurf.de
| Der Multiplikatorinnen- Treff
tagt in den Räumen der Lebenshilfe Tübingen e.V.,
Friedrich-Dannenmann- Straße 69, 72070 Tübingen. |
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