| Engagiert für Mädchen
mit und ohne Behinderung
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Sie sind in der Mädchenarbeit tätig, warum engagieren
Sie sich für Mädchen mit Behinderungen? |
Grundsätzlich gehe
ich davon aus, dass alle Jugendangebote allen Mädchen und
Jungen unabhängig von ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten
offen stehen sollten, denn nur durch gleiche Chancen kann
einer immer noch stattfindenden Diskriminierung von Menschen
mit Behinderung entgegengewirkt werden. Leider wird dieser
integrative Aspekt in der Jugendarbeit m. E. zu wenig berücksichtigt.
Das liegt zum Teil an baulichen Barrieren, doch vor allem
an der fehlenden konzeptionellen Verankerung.
Der Abbau dieser Diskriminierung, die Mädchen
mit einer Behinderung in besonderem Maße betrifft – zum einen
als Frau, zum anderen als Behinderte – ist mir auch ein persönliches
Anliegen, da ich selbst im Rollstuhl sitze. Ich denke, dass
dies eine große Chance sowohl für mich, den Mädchentreff e.V.
Tübingen und für unsere Nutzerinnen mit Behinderungen ist.
Ich diene zum einen als Vorbild- und Identifikationsfigur,
zum anderen verstehe ich sie in vielerlei Hinsicht besser,
da ich gleiche oder ähnliche Erlebnisse in meiner Kindheit
und Jugend gemacht habe wie sie. |
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Wie sieht das Angebot für behinderte Mädchen
aus? |
Die Arbeit mit behinderten
Mädchen ist fester Bestandteil der Konzeption des Mädchentreffs.
Dies ermöglicht mir, auf die besonderen Fragestellungen der
behinderten Mädchen einzugehen. Themen wie Ausbildung, Sexualität,
Selbstständigkeit etc. sind die gleichen wie bei Mädchen ohne
Behinderungen. Die Aufbereitung von Offenen Angeboten, Kursen,
Workshops ist jedoch eine andere. Hierzu werden andere Räumlichkeiten,
oftmals weiteres Personal und besonders der Mut benötigt,
neue inhaltliche Wege zu gehen. Meine Arbeit mit behinderten
Mädchen sehe ich in einem erweiterten Kontext. Dies beinhaltet
Fortbildungen für Pädagoginnen und Mahnerin zu sein in Arbeitskreisen
und Gremien der Jugend- und Frauenarbeit, um den Blick für
Mädchen mit Behinderung zu schärfen. Nicht zuletzt müssen
sich die nichtbehinderten Besucherinnen und Multiplikatorinnen
mit mir als Pädagogin mit Behinderung auseinander setzen.
Dies fällt ihnen nicht immer leicht, denn Menschen und besonders
Frauen mit Behinderungen in einer solchen Position sind immer
noch unüblich. |
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Welches Projekt verfolgen Sie derzeit? |
| Unser neues großes
Projekt ist ein integrativer Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurs
für Mädchen mit und ohne Behinderung. Der Projektzeitraum
erstreckt sich über ein Jahr, und das Projekt wird von der
Aktion Mensch finanziell und der Körperbehindertenförderung
Neckar-Alb organisatorisch unterstützt. Neben den Trainingseinheiten
für die Mädchen liegt ein Schwerpunkt auf der Schulung von
Multiplikatorinnen. Unsere Erfahrungen und unser Wissen werden
wir auf einer CD-Rom aufbereiten und einer breiten Öffentlichkeit
zugänglich machen. |
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Können Sie Ihre Zielsetzung umreißen, und worin
bestehen Ihre Erfolgserlebnisse? |
Mein Ziel ist es, Angebote
für Mädchen und Frauen mit Behinderung nicht nur im baulichen
Sinne zugänglich zu machen, sondern auch in den Köpfen! Ein
großes Erfolgserlebnis für mich ist der Bau eines Frauenprojektehauses
in Tübingen. Hier werden sieben Mädchen- und Frauenprojekte,
u.a. der Mädchentreff, barrierefreie Räume erhalten. Mädchen
und Frauen mit einer Behinderung werden in der Konzeption
des Hauses und der einzelnen Projekte verankert und somit
ist ein weiterer Schritt zur gleichberechtigten Teilhabe gegangen
bzw. gerollt worden! |
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Interview

Borghild Strähle,
Mädchentreff Tübingen
| Das schönste Erlebnis
im Herbst letzten Jahres war die 3. Mädchenkonferenz für
Mädchen und junge Frauen mit Behinderung. Das Motto „Wir
lassen uns nicht behindern“ wurde von den über 250
Teilnehmerinnen ganz praktisch in Workshops und abendlichen
Festen umgesetzt. |
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