AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 17 - 3/2002
   

Eine Mentee berichtet

  Warum haben Sie eine Mentorin gesucht?

Vor ungefähr eineinhalb Jahren war ich von meiner beruflichen Entwicklung frustriert. Der Frust mündete in der Erkenntnis, dass ich selbst aktiv werden muss, um Karriere zu machen, und nicht weiter darauf warten kann, „entdeckt“ zu werden. Mein Wille zur Karriere war da, aber er war noch nicht zielgerichtet. Ich benötigte einen Blick von außen, um für mich selbst eine neue Perspektive zu entwickeln.

   
  Was wollten Sie dazulernen?
Durch Einbindung in das „FiV-Mentorship-Programm“ wollte ich meinen eigenen Anteil an der Situation erkennen und aktiv verändern. Hierfür Methoden zu erarbeiten im persönlichen Kontakt zu einer Mentorin und gemeinsam mit anderen Frauen in einer ähnlichen Position, schien Erfolg versprechend. Außerdem bot das Programm begleitende Workshops und „Gruppencoachings“– wovon ich viel profitieren konnte.
   
  Was ist Ihrer Meinung nach das Spezifische der Beziehung zwischen Mentorin und Mentee?

„Wahrheiten“ zu hören, die man sonst nicht hören würde, weil sie einem im Berufsleben nicht gesagt werden, und die man im privaten Umfeld nicht annehmen könnte. Es wurden in dem Mentoring-Prozess Fragen an mich gestellt und Feststellungen getroffen, die mein Selbstbild verändern halfen: „Was interessiert Sie an Führung?“, „Sie machen zuviel …“, „eine bessere Position, als die, aus der Sie agieren, kann ich mir gar nicht vorstellen …“ etc. Solche Äußerungen gaben mir das Korrektiv und Feedback, das ich mir gewünscht hatte. DiesesFeedbackbekommeichübrigensinzwischenauch von Vorgesetzten und Kollegen, was sehr hilfreich ist.

   
  Was kann eine Mentee ihrer Mentorin „beibringen“?
Meine Mentorin profitierte auch von meinem Wissen. So interviewte sie mich einen Abend lang über meine ehrenamtliche Arbeit beim Netzwerk BücherFrauen e.V. (für das ich drei Jahre das Thema Finanzen verantwortete), um daraus Erkenntnisse für den Aufbau ihres Berufsnetzwerkes zu ziehen.
   
  Gibt es bei Ihnen „sichtbare“ Erfolge?

Ja, ich wurde im vergangenen Monat zur „Leitung Konzerncontrolling & Business Operations“ befördert. Dies aus einer Krisensituation heraus, in der ich vor acht Monaten eher an eine Kündigung als an eine Beförderung glaubte. Innerhalb eines Reorganisationsprojektes mit dem Vorstandsvorsitzenden konnte ich meine fachliche Ausrichtung für mich und mit der Firma gemeinsam klären. Ich ging dabei sehr viel offensiver vor, als ich es früher getan hätte.

Dass ich in dieser oft auch sehr turbulenten Situation einen inneren Kompass hatte, der mich meine Richtung halten ließ, führe ich auch auf die mentale Unterstützung durch die Mentoringbeziehung zurück. Außerdem fing ich an, mich um meine Außendarstellung zu kümmern, und da war eine schwere Nuss zu knacken...

Darüber hinaus engagiere ich mich heute aufgrund meiner eigenen positiven Erfahrungen innerhalb des Mentoring-Prozesses im Projektteam des Mentoring- Forums der Stuttgarter BücherFrauen, um einen Beitrag zu leisten, diese Fördermöglichkeit der individuellen beruflichen Entwicklung weiter bekannt zu machen

 

Frauke Ehlers
Frauke Ehlers,
Ltg. Konzerncontrolling & Business Operations EuroArts Medien AG, Stuttgart, nimmt am FiV-Mentorship- Programm teil.



Weitere Infos zum Mentoring-Forum der Stuttgarter BücherFrauen, das am 14. 9. 2002 im Literaturhaus startet, bei Frauke Ehlers, E-Mail: frauke.ehlers@ t-online.de; Fon: 0711/24 56 34 (AB).