Gender-Fachkongress
„Geschlechter Perspektiven Wechsel“ am 12. Juni 2002
in Stuttgart, Rotebühlzentrum
200 Interessierte waren erschienen, davon 20 Prozent Männer.
Ein durchaus repräsentatives Bild für die Geschlechterverhältnisse
in der evangelischen, katholischen, gewerkschaftlichen Erwachsenenbildung
und in den Volkshochschulen – Mitgliedseinrichtungen der Fachkonferenz
Frauenbildung. Doch auch Teilnehmende aus Jugendbildung, Schule,
Beratung, Frauenpolitik waren vertreten.
Eine lebendig von Evelyn Lattewitz vom SWR moderierte
Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern der Frauenbildung,
Männerbildung und Frauen- und Geschlechterforschung zum Thema
„Gender-Perspektiven: Neue Fragen für die Bildungsarbeit
mit Männern und Frauen“ diente als Einstieg. Einigkeit
bestand auf dem Podium und im Publikum darüber, dass die gleichstellungspolitische
Strategie des Gender Mainstreaming eigenständige Frauenpolitik
nicht überflüssig macht. Ebenso unumstritten war die Notwendigkeit
eigenständiger Frauen- und Männerbildungsangebote neben
geschlechterbezogenen Veranstaltungen mit Frauen und Männern.
Zündstoff bot die Metapher „Wenn ihr mit ins Boot wollt
…“: Diese im Blick auf die Zusammenarbeit mit Männern
in der Bildungsarbeit häufig vertretene Position von langjährig
in Frauen- und Geschlechterfragen engagierten Frauen kann zu erneuten
Verletzungen im Geschlechterverhältnis führen. Gleichzeitig
macht sie aber deutlich, dass unterschiedliche Ausgangsbedingungen
und Konflikte thematisiert werden müssen. Auf der Makroebene
struktureller Bedingungen wie der Verteilung von Ressourcen müssen
geschlechtergerechte Veränderungen stattfinden, ohne dass Projekte
von Frauen und Männern oder Gender- Projekte gegeneinander
ausgespielt werden. Ebenso wichtig ist die Beachtung der Mikroebene,
der geschlechterbezogenen Zuschreibungen im Handeln und Kommunizieren
von Männern und Frauen im Alltag. Anschließend befassten
sich vier Foren mit Ansätzen geschlechtergerechter Organisationen
und Bildungsarbeit sowie den dafür erforderlichen personalen
und beruflichen Qualifikationen von Bildungsarbeiterinnen und Bildungsarbeitern.
Die Workshops am Nachmittag boten konkrete praktische
Erfahrungsmöglichkeiten zu Themenbereichen wie der Gender-
Perspektive als Querschnittsperspektive für die Qualitäts-
oder die Organisationsentwicklung und als expliziter Inhalt von
Fortbildungen sowie der Standortbestimmungen von Frauen- und Männerbildungsansätzen
innerhalb der Gender-Diskussion. Der Workshop „Gender Training“
führte mit mehr als 50 Teilnehmenden die Hitliste an. Auf dem
Schlusspodium zum Verhältnis von Politik, Bildungspraxis und
Forschung diskutierten fünf Frauen und ein Mann (Sozialministerium
Baden-Württemberg, Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft,
Oberschulamt Tübingen, aus der Weiterbildung und der Wissenschaft).
Unterschiede wurden sichtbar: Während in den Ministerien ein
Gender Mainstreaming-Prozess „top-down“ beginnt, gehen
im Bildungsbereich Initiativen mit dem Ziel geschlechtergerechter
Bildung und Organisationen von der mittleren Ebene aus. Landesweite
bildungspolitische Gremien und Führungskräfte verhalten
sich bislang weitgehend Gender-abstinent‘. Hier besteht Handlungsbedarf.
Trotz der kurzen Zeit gab es Ergebnisse und Statements auf dem Podium:
So begrüßte Dr. Christiane Hug-von Lieven vom Sozialministerium
eine Mitarbeit der FKF in einem noch zu gründenden Fachbeirat
für Gender Mainstreaming in Baden-Württemberg. Das Podium
befürwortete eine umsetzungsorientierte Handlungsforschung
zu Gender-Perspektiven im Bildungsbereich.
Dr. Gerrit Kaschuba, tifs Tübingen |
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| „Gender Training“
hat Sensibilisierung und Qualifizierung zum Ziel. Trainingselemente
wie Bildbetrachtungen regten im Workshop zur Reflexion über
Wahrnehmungen und Zuschreibungen zu Frausein und Mannsein an.
Standortbestimmungen zu Thesen wie „Frauen und Männer
sind gleichberechtigt“ gaben Diskussionsstoff und zeigten
differente Lebensbedingungen und Sichtweisen auf. Deutlich wurde:
Im Mittelpunkt steht die Beschäftigung mit Prozessen der
Unterscheidung und nicht mit „den“ Unterschieden. |
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Wie alles begann!: Initiiert
von der Fachkonferenz Frauenbildung (FKF) in Baden- Württemberg
und von tifs, dem Tübinger Institut für frauenpolitische
Sozialforschung e. V., tagte eine Kongressvorbereitungsgruppe seit
2000 regelmäßig. Diese war fifty/ fifty mit Frauen und
Männern aus den Mitgliedseinrichtungen der FKF besetzt und
repräsentierte somit ein breites Spektrum. Ein wichtiges Prinzip:
„Gender“ ist nicht gleichzusetzen mit Frauen, ein Prinzip,
das am Veranstaltungstag Früchte trug. |