AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 17 - 3/2002
   

 Liebe Frauen und Liebe Leserinnen und Leser

nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit und überlegen Sie, welche Personen Sie auf Ihrem persönlichen und beruflichen Lebensweg unterstützt haben und von welchen Erfahrungen und Kontakten Sie profitiert haben. Sicherlich gab es auf Ihrem Lebensweg schon „Mentoren“ oder „Mentorinnen“, die Ihnen mit Rat und Tat zur Seite gestanden sind.

Mentoring greift diese wirkungsvolle Form der individuellen Unterstützung auf und wird zunehmend als Methode zur gezielten Förderung von weiblichen Nachwuchskräften in Betrieben, Behörden, politischen Parteien, Verbänden und Organisationen eingesetzt. In der Regel ist eine Mentorin oder ein Mentor eine erfahrene Führungskraft, die eine ambitionierte „Mentee“ in ihrer beruflichen Entwicklung berät und über wichtige Spielregeln und Arbeitskulturen informiert. Dabei spielt neben der Weitergabe des ungeschriebenen Erfahrungswissens auch das sogenannte net-working (das Schaffen und Handeln in persönlichen Netzwerken) eine große Rolle, hat es sich doch herausgestellt, dass die Einbindung in informelle Netzwerke der Entscheidungs- und Kompetenzträger von zentraler Bedeutung für den Karriereweg ist. Ambitionierte Männer werden in solche Netze geradezu automatisch einbezogen, während sie Frauen bisher weitgehend verschlossen blieben. Mentoring soll die beteiligten jungen Frauen also auch beim Knüpfen informeller persönlicher Beziehungen im Arbeitskontext unterstützen.

Mentoring ist nicht nur für das berufliche Fortkommen hilfreich, sondern kann ebenso in ehrenamtlichen Tätigkeitsfeldern eingesetzt werden. So hat beispielsweise die Landeszentrale für politische Bildung mit finanzieller Unterstützung des Sozialministeriums eine Handreichung „Mentoring für Frauen in der Kommunalpolitik“ mit praktischen Tipps zur Umsetzung für regionale Initiativen entwickelt und veröffentlicht. Auch politische Parteien setzen bei ihrer Nachwuchsförderung auf Mentoring-Programme.

Es nützt wenig, wenn die Tatsache, dass Frauen in Führungspositionen unterrepräsentiert sind, immer wieder beklagt wird. Vielmehr halte ich es für wesentlich effektiver, wenn wir die vorhandenen Methoden wie Mentoring zielorientiert nutzen, damit Frauen die Chance haben, in Führungspositionen aufzusteigen. Dabei kommt der Eigeninitiative ein hoher Stellenwert zu. In manchen Fällen ist es sinnvoll, nicht auf Programme zu warten, sondern sich selbst auf den Weg zu machen und nach einer Mentorin oder einem Mentor zu suchen.

In diesem Heft finden Sie viele Tipps und Beispiele für bereits praktiziertes Mentoring. Die Bandbreite der Programme zeigt, dass meine im Jahr 2000 gestartete Mentoring-Initiative auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Ich danke allen Beteiligten für ihr Engagement und erhoffe mir von diesem Heft weitere Anstöße.

Mit freundlichen Grüßen

Unterschrift Lichy
Johanna Lichy MdL
Staatssekretärin im Sozialministerium Baden-Württemberg
Frauenbeauftragte der Landesregierung