|
|
| |
|
 |
| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
15 - 1/2002 |
|
 |
| |
|
Gleiche Chancen für Frauen
und Männer im Betrieb – Landeswettbewerb 2002
Von Manuela Wagner, Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg veranstaltet
dieses Jahr zum sechsten Mal den Landeswettbewerb „Gleiche Chancen
für Frauen und Männer im Betrieb“. Mit diesem Wettbewerb zeichnet
das Wirtschaftsministerium die Unternehmen aus, die Chancengleichheit
bzw. Familienförderung in der Praxis umsetzen und dabei maßgeschneiderte
Lösungen erfolgreich anbieten. Bewertungskriterien sind u. a.:
 |
flexible Arbeitszeiten und -formen, wie z. B. Telearbeit,
Teilzeitarbeit, |
 |
Unterstützung bei der Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen
Angehörigen, |
 |
gute Weiterbildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen, |
 |
Frauen in Führungspositionen sowie |
 |
Kontakthalten während der Elternzeit. |
Ein Preisträger des Landeswettbewerbs 2000 ist die „Gerhard
Rösch GmbH“, ein Textilunternehmen in Tübingen mit 380 Beschäftigten,
davon 50 Prozent Frauen. Das Unternehmen gibt jährlich abzüglich
des Landeszuschusses etwa 41.000 Euro für seinen dreißig Jahre alten
Betriebskindergarten aus, der für Betriebsangehörige übrigens kostenlos
ist. „Wir haben im Branchenvergleich eine niedrige Krankheits- und
Fluktuationsquote. Würde allein unser Krankenstand um ein Prozent
steigen, hätte das Unternehmen Personalmehrkosten in Höhe von 194.000
Euro. Da sind die Sozialleistungen des Unternehmens kostengünstiger“,
so Personalleiter Thomas Saile.
Ein Engagement für die Chancengleichheit und die Vereinbarkeit
von Beruf und Familie ist für die Betriebe alles andere als eine
Einbahnstraße: Die Unternehmen profitieren durch motivierte Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter, eine geringere Fluktuation und geringere Krankenstände.
Dies ist – nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels – ein Wettbewerbsvorteil,
der auch zur Standortsicherung für Baden-Württembergs Wirtschaft
beiträgt. Dass dieser Einsatz nicht unerhebliche wirtschaftliche
Vorteile für die Betriebe mit sich bringt, belegt o. g. Beispiel.
Und für ein rohstoffarmes Hochlohnland wie Baden-Württemberg, das
auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen ist, ist die Verbesserung
der Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein wichtiger Standortfaktor.
Eine weitere Preisträgerin des Landeswettbewerbs 2000
ist die „Ursula Maier Werkstätten GmbH Möbelbau und Gestaltung“
in Markgröningen. Sie hat sich in einer Männerdomäne behauptet:
Ursula Maier ist Schreinermeisterin, Innenarchitektin und Dozentin
für Innenarchitektur an der Fachhochschule für Technik in Stuttgart.
In ihrem 39 Köpfe starken Unternehmen, davon 17 Frauen, setzt sie
auf eine gute Personalentwicklung. Sie bildet junge Frauen zu Schreinergesellinnen
aus – ein Beruf, der männlich dominiert ist. Die Auszubildenden
der Firma Maier haben mehrere Auszeichnungen, darunter Gestaltungs-
und Kammerpreise, erhalten. Mit den jungen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern, auch mit den Auszubildenden, werden Karrierepläne
entwickelt, deren Umsetzung wird aktiv unterstützt. Im Anschluss
an die Ausbildung werden sie zu Praktika ins Ausland vermittelt. |
 |

Manuela Wagner
|
| |
|
|
 |
 |
Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring und Ursula
Maier bei der Verleihung des Preises 2000.
Foto: Wirtschaftsministerium |
Ursula Maier mit Auszubildenden
Foto: Ursula Maier Werkstätten GmbH |
|
| |
|
|
Das Unternehmen bietet auch flexible
Arbeitszeiten und -formen an:
 |
Die Ausstellungsleiterin des Einrichtungshauses
ist alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und auf eine
Ganztagsbeschäftigung angewiesen. Ihre Arbeitszeit kann sie
sich nach Absprache mit den Kolleginnen frei einteilen. |
 |
Eine technische Zeichnerin besucht nach zweijähriger
Praxisphase die Technikerschule, um sich zur staatlich geprüften
Gestalterin weiterzubilden. Während der Weiterbildungsphase
arbeitet sie in Teilzeit im Unternehmen weiter. |
 |
Ein Schreinergeselle nahm ein halbes Jahr Elternzeit
in Anspruch und war damit der einzige Mann im Innungskrankenkassenbereich
Stuttgart. Er kehrte anschließend wieder in den Betrieb zurück
und gab zu: „Elternzeit ist anstrengender, als ich dachte.“ |
 |
Eine Innenarchitektin, Mitarbeiterin in Elternzeit,
kann ihre Arbeit von zu Hause aus fortsetzen. Sie arbeitet
in Teilzeit und bearbeitet Aufträge, z. B. den Umbau eines
Hauses. Die Pläne werden mit der Firmenchefin abgesprochen
und die Entwürfe, Kundenberatung und die Bauaufsicht etc.
organisiert sie von zu Hause aus. |
Die Firma bietet für alle Beschäftigten, auch für die
Auszubildenden, eine betriebliche Altersvorsorge an. In der Freizeit
werden Firmenfeste und Ausflüge mit den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen
und deren Familienangehörigen veranstaltet. Außerdem können die
Beschäftigten die firmeneigene Bibliothek und die Werkstatt zur
Herstellung von Möbeln und Innenausbauten für den eigenen Bedarf
nutzen.
Der Landeswettbewerb ist ein wichtiges Instrument, um
aktuelle Best-practice-Beispiele in detaillierter Beschreibung zu
erhalten. Ein unabhängiges Preiskomitee, in dem Organisationen der
Wirtschaft, Frauen- und Familienvereinigungen, Gewerkschaften, das
Sozialministerium und das Wirtschaftsministerium vertreten sind,
wählt die Preisträger aus. Es besichtigt die Bewerberunternehmen
und kann sich somit vor Ort einen Eindruck verschaffen. Die Ergebnisse
des Landeswettbewerbs 2000 sind in einer Dokumentation ausführlich
dargestellt. |
|
|
| |
|
|
Teilnahmebedingungen
für den Landeswettbewerb 2002:
Teilnehmen können Unternehmen ab fünf Beschäftigten mit Sitz in Baden-Württemberg,
der öffentliche Dienst ist ausgeschlossen. Bei der Bewertung finden
Größen- und Branchenaspekte Berücksichtigung. Die Bewerbung von kleinen
und mittleren Unternehmen ist besonders erwünscht. Es werden Preisgelder
in Höhe von insgesamt 30.000 Euro vergeben. Einsendeschluss
ist der 30. April 2002.
Wirtschaftsminister Dr. Walter Döring wird die Siegerunternehmen am
29. Oktober 2002 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart prämieren. Die
Bewerbungsunterlagen 2002, die eine Checkliste zum Ankreuzen für eine
zeitsparende Bewerbung enthalten, sind erhältlich beim Wirtschaftsministerium,
Pressestelle, Theodor-Heuss-Str. 4, 70174 Stuttgart, Fon: 07 11/1
23-24 26, Fax: 07 11/ 1 23-24 60, E-Mail: pressestelle.wm@wm.bwl.de,
als PDF-Datei: www.WM.Baden-Wuerttemberg.de
Informationsservice Veranstaltungen
Wettbewerbe |
|
|
| |
|
|
|
|