AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 15 - 1/2002
   

Wüstenrot-spezifische Maßnahmen zur familienfreundlichen Gestaltung der Arbeitswelt

Von Eva Braunke, 1. Vorsitzende des Arbeitskreises Chancengleichheit Wüstenrot Bausparkasse AG

Die Wüstenrot Bausparkasse AG ist ein Finanzdienstleistungsunternehmen mit Sitz in Ludwigsburg. Bundesweit beschäftigen wir über 4.000 Personen, wovon über die Hälfte Frauen sind.

Seit 1990 gibt es bei Wüstenrot einen Arbeitskreis Chancengleichheit für Frauen und Männer. Dieser bewirkte eine Reihe von Maßnahmen, die heute zum Standard gehören, insbesondere die sehr große Flexibilität bei Gleitzeitregelungen sowie bei Länge und Dauer von Elternzeit und Arbeitszeit.

Seit Mitte der 90er Jahre sind in den Leitlinien zur Führung und Zusammenarbeit des Unternehmens sowie in der Broschüre „Unternehmensleitbild/Unternehmensziele“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gleichwertig genannt: Dies manifestiert das Bestreben der Unternehmensleitung nach Chancengleichheit. Der Arbeitskreis suchte aktiv das Gespräch mit weiblichen Führungskräften des Unternehmens über ihre Erfahrungen als Frau in Führungspositionen. Darüber und über die weiteren Aktivitäten und Ergebnisse wird in der Mitarbeiter- Zeitschrift von Wüstenrot regelmäßig berichtet.

Interessante Ergebnisse brachte eine firmenweite Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im September 1996 zutage, die deutlichen Handlungsbedarf zeigten: Frauen fühlten sich beim Zugang von Führungspositionen und bei der Auswirkung von Weiterbildungsmaßnahmen benachteiligt.

Auf Initiative des Arbeitskreises Chancengleichheit nahm Wüstenrot erstmals im Januar 1997 an einem bundesweiten, vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung geförderten Wettbewerb TOTAL E-QUALITY teil. Anhand einer Checkliste dokumentierten wir die bisherigen Maßnahmen unserer Unternehmensgruppe zur Förderung der Chancengleichheit und belegten die Angaben durch Materialien, Dokumente und Anlagen. Zur Erlangung des Prädikats waren Mindeststandards vorausgesetzt. Ausschlaggebend war nicht die Menge der Aktivitäten, sondern die Qualität, sowohl hinsichtlich des Konzepts als auch hinsichtlich der Umsetzung der praktischen Maßnahmen.

 


Eva Braunke

Die Wüstenrot Bausparkasse AG erhielt 1997 das Prädikat TOTAL EQUALITY, das 2000 verlängert wurde.

 

 

 

 

     

Wüstenrot war unter den zwölf ersten Prädikatsträgern. Was bedeutet dieses Prädikat für Wüstenrot? Zum einen umfasst es ein Zertifikat und ein Logo, das Wüstenrot für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit einsetzen kann, zeigt es doch europaweit, dass unser Unternehmen nach einem Personalführungs- und Qualitäts-Management-Konzept ausgerichtet ist, das die Vorstellungen von Frauen (Mitarbeiterinnen und Kundinnen) mit einbezieht. Zum anderen ist mit diesem Prädikat die Verpflichtung verbunden, auch zukünftig Personalpolitik im Sinne von TOTAL E-QUALITY zu gestalten und fortzuführen.

Als eine der Folgemaßnahmen auf die Fragebogenaktion von 1996 initiierte der Arbeitskreis 1998 eine hauseigene Seminarreihe für Führungskräfte-Frauen unter dem Motto: „Als Frau erfolgreich führen – wie?“ Fünf Gruppen haben bisher das dreitägige Seminar absolviert. Die Teilnehmerinnen sind dabei, sich untereinander zu vernetzen und die Erfahrungen zu bündeln.

Um die weiterführenden Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit erneut zu dokumentieren und bewerten zu lassen, bewarb sich Wüstenrot um die Verlängerung des Prädikats TOTAL E-QUALITY, das es im Mai 2000 erneut erhielt. Wir sind stolz und freuen uns über mehrere Beiträge in Presse und Rundfunk.

Im Jahr 2000 entstand anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Arbeitskreises Chancengleichheit für Frauen und Männer eine eigenständige Broschüre über Mitglieder, Projekte und Ziele des Arbeitskreises, die Wüstenrot-weit verteilt wurde. Eine zweitägige Jubiläumsveranstaltung wurde zur Diskussion mit der Belegschaft genutzt – vom Azubi bis zum Vorstand. Deutlich wurde, dass das Gedankengut des Arbeitskreises Chancengleichheit auch nach zehn Jahren noch nicht überall in den Köpfen verankert ist. Deshalb wurde 2001 die unternehmensinterne Öffentlichkeitsarbeit mit einer lebendigen Power Point- Präsentation verstärkt. Seit Januar 2001 ist der Arbeitskreis dabei, die Aufmerksamkeit auf die Zukunft der Chancengleichheit zu lenken und Themen – wie Gender Mainstreaming – vorsichtig in das Unternehmen einzubringen und diese in Kreisen von Führungsfrauen zu erläutern und zu diskutieren.

Unsere Ziele? Wir wollen mehr Frauen in Führungspositionen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern – und den „Hattrick“ bei TOTAL E-QUALITY! Wir betrachten das Prädikat als ein Ergebnis unserer kontinuierlichen Entwicklung von Chancengleichheitsmaßnahmen und sehen einer Neubewerbung im Jahr 2002 mit Optimismus entgegen. Chancengleichheit ist vielfältig, facettenreich und bedarf eines breiten Fundaments, insbesondere mehr Selbstverständnis im gesellschaftlichen Umfeld. Die Unternehmen können nur einen Teil dazu beitragen. Wüstenrot empfiehlt, die Aktivitäten von TOTAL E-QUALITY auf eine breite Basis zu stellen und Chancengleichheitsmaßnahmen auf gesellschaftlicher Ebene einzufordern!

 
Zusammen mit Stuttgarter Unternehmen gründete Wüstenrot im Dezember 1990 den Verein „Frauen in Verantwortung“. Initiator war Lothar Späth, der damalige Ministerpräsident von Baden- Württemberg.






Wüstenrot Bausparkassen AG Ludwigsburg Eva Braunke Fon: 07141/16-2171 E-Mail: eva.braunke@ wuestenrot.de