Zur Unternehmenskultur gehört
auch Familienfreundlichkeit
Von Andreas Ziegele, ZF Lenksysteme GmbH Schwäbisch
Gmünd
Die Welle der Zertifizierungen von Unternehmen, vor
allem im Qualitätsmanagement und im Umweltschutz, rollt, und sie
ist bedingt durch die internationalen Anforderungen auch nicht aufzuhalten.
Auch die ZF Lenksysteme hat an einer Zertifizierung teilgenommen
und für ihren Standort Schwäbisch Gmünd ein Zeugnis erhalten, das
ohne Einschränkung vorteilhaft ist: Man gilt als familienfreundlich.
Vergeben wird die Auszeichnung von der Beruf & Familie
GmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft der Hertie-Stiftung in Frankfurt
am Main. Das Expertenteam von Beruf & Familie hat einen Kriterienkatalog
festgelegt, der in einer ersten Bestandsaufnahme mit Punkten bewertet
wird. Beim Erreichen einer bestimmten Punktzahl gibt es das Grundzertifikat.
Dabei handelt es sich aber nicht um „ein Fieberthermometer, das
man einmal hinhält und dann vergisst“, wie Rainer B. Schirrmacher,
Leiter Personal bei ZF Lenksysteme, betont. Mit der Annahme der
Urkunde hat sich das Unternehmen verpflichtet, das Thema Familienfreundlichkeit
weiter zu entwickeln.
Äußerst vielfältig sind die beurteilten Aspekte. Wie
flexibel ist die Arbeitszeit, damit sie mit persönlichen Belangen
in Einklang gebracht werden kann? Werden Teilzeit-Beschäftigungen
gefördert? Finden Besprechungen zu Zeiten statt, die nicht zwangsläufig
Überstunden mit sich bringen? Wird die volle Kompetenz der Mitarbeiter
abgerufen und werden sie in die Abläufe eingebunden? Leben die Führungskräfte
die Bedeutung von Familienleben vor oder sitzen sie im Büro, während
der Sohn die Einschulung feiert? Diese und noch viele Fragen mehr
stellten die Zertifizierer den Mitgliedern des Teams der ZF Lenksysteme.
Dabei konnte das Unternehmen auf einige Errungenschaften
verweisen. So bietet die ZF Lenksysteme ihren Beschäftigten einen
von drei auf vier Jahre verlängerten Erziehungsurlaub mit Arbeitsplatzgarantie
und Wiedereinarbeitungsprogramm an. Auch während dieser Zeit sorgt
das Unternehmen dafür, dass der Kontakt zu keiner Zeit abreißt.
Schon 1989 wurde eine Vereinbarung mit der Überschrift „Eltern und
Kind“ geschlossen. Ein fest angestellter Sozialberater steht den
Beschäftigten als Ansprechpartner bei persönlichen Problemen zur
Verfügung. Und diese Problemlösung findet nicht nur im Unternehmen
statt, sondern geht bis in die Familien der Beschäftigten weiter.
Bei Finanzproblemen springt unter Umständen die Sozialkasse der
Firma ein. Und bei Todesfällen hilft die „Notgemeinschaft“ mit Beiträgen
zu den Bestattungskosten.
Der Vorsitzende der Geschäftsführung Dr. Peter Kilgenstein
spricht aus, was die Zertifizierung ebenfalls bewirken kann: junge
Ingenieure aus großen Städten und Unternehmen nach Schwäbisch Gmünd
zu locken. Ein anerkannt familienfreundliches Unternehmen hat es
da am Markt leichter. Deshalb wird weiter an Arbeitszeitmodellen
gearbeitet, und in Pilotprojekten wird Telearbeit eingeführt. „Um
sich zu verbessern, muss man Stärken und Schwächen kennen“, ist
Kilgenstein überzeugt. An dieser Stelle passt dann auch das Zitat
von Robert Bosch: „Nichts ist so gut, dass man es nicht noch weiter
verbessern könnte.“
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Andreas Ziegele
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