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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
14 - 4/2001 |
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| Wiedereinstieg: Chancen und
Hürden
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Sie sind als Abteilungsleiterin für den großen
Bereich der Arbeitsvermittlung und Arbeitsberatung im Land
verantwortlich. Ist aus Ihrer Sicht das Thema Wiedereinstieg
in das Berufsleben überhaupt von Bedeutung für den badenwürttembergischen
Arbeitsmarkt? |
| Der baden-württembergische
Arbeitsmarkt weist schon heute einen Fachkräftebedarf in verschiedenen
Branchen auf, der sich in Zukunft vor dem Hintergrund der
demografischen Entwicklung noch verstärken wird. Danach wird
sich die Zahl der Erwerbspersonen, also der Personen zwischen
15 und 65 Jahren, im Jahr 2010 im Vergleich zu 1998 um 97.000
verringert haben. Von den verbleibenden rund 7 Millionen Erwerbspersonen
werden fast 60 Prozent über 40 Jahre alt sein. Also ein rückläufiges
Arbeitskräftepotenzial gepaart mit einer Verschiebung der
Altersstruktur. Die Gewinnung von Fachkräften wird demnach
noch schwieriger werden. Um dem entgegenzuwirken, müssen alle
Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Und an dieser Stelle, so
meine ich, wird es offensichtlich, dass auch das Potenzial
der Wiedereinsteiger und Wiedereinsteigerinnen von Bedeutung
ist und noch an Bedeutung gewinnen wird. |
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Was sind die wesentlichen Voraussetzungen
für einen erfolgreichen Wiedereinstieg in den Beruf? |
| Eine gute Qualifikation bzw. die
Bereitschaft und das Engagement, diese wieder herzustellen,
und ein gewisses Maß an zeitlicher Flexibilität. |
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Nicht alle, die ihre Erwerbstätigkeit für die
Familie unterbrechen, haben diese Möglichkeiten, das hängt
einerseits vom Betrieb ab, andererseits von den Lebensumständen
der Betroffenen. Manche unterbrechen auch deutlich länger
ihre Erwerbstätigkeit oder waren zuvor gar nicht erwerbstätig.
Wie sieht die Situation dann aus? |
| Das Thema Wiedereinstieg
in den Beruf betrifft immer noch deutlich überwiegend Frauen,
denn immer noch sind es in erster Linie die Frauen, die die
Familienarbeit leisten. Der Wiedereinstieg insbesondere nach
einer längeren Pause will gut vorbereitet sein, es gibt vieles
im Vorfeld zu bedenken und zu klären. In jedem Arbeitsamt
gibt es Beauftragte für Frauenbelange, die Informationsangebote
gerade für Wiedereinsteigerinnen durchführen. Insbesondere
das Thema Kinderbetreuung spielt eine wichtige Rolle. Hier
gilt es bereits im Vorfeld zu klären, wie die Kinderbetreuung
organisiert werden kann. Immer wieder liegt gerade darin ein
Problem bei der Vermittlung in eine Arbeitsstelle – die Übereinstimmung
von Arbeitszeiterfordernis und Kinderbetreuungszeit. Hier
sehe ich ein Handlungsfeld, dem sich noch verstärkt gewidmet
werden muss, will man den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen.
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Aber selbst, wenn die Kinderbetreuung kein Problem
ist, kann der Wiedereinstieg dennoch mit Schwierigkeiten verbunden
sein. Was kann die Arbeitsverwaltung tun? |
| Die Arbeitsämter bieten
spezielle Informationsangebote für Wiedereinsteigerinnen an.
Im individuellen Beratungsgespräch können die beruflichen
Perspektiven aufgezeigt und Vermittlungsvorschläge unterbreitet
werden. Darüber hinaus können die Arbeitsämter unterstützen,
wenn es darum geht, Qualifikationsdefizite zu beheben oder
auch Hilfen bei der Bewerbung zu geben. Auch der Wiedereinstieg
über eine Zeitarbeitsfirma bietet Chancen – einerseits die
Chance der beruflichen Orientierung gerade durch die wechselnden
Arbeitseinsätze in unterschiedlichen Unternehmen. Andererseits
die Chance der Übernahme durch den Entleiher. Arbeitnehmerin
und Arbeitgeber können sich unverbindlich kennen lernen, die
Übernahme in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis kann dann
für beide Seiten auf einer sichereren Grundlage erfolgen.
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Interview

Margit Haupt-Koopmann
ist Vizepräsidentin des Landesarbeitsamts Baden-Württemberg
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| Zur rechtlichen Situation von Wiedereinsteigerinnen: Informationen
und Tipps der Arbeitsverwaltung für Wiedereinsteigerinnen
finden Sie unter folgenden Internetadressen
http://www.arbeitsamt.de/laa_bw/information/index.html
insbesondere unter „Chancengleichheit/Frauen“
http://www.arbeitsamt.de/hst/services/merkblatt/index.html
insbesondere Merkblatt 18
Der Gesetzgeber hat in vielen Bereichen der Arbeitsförderung
Regelungen getroffen, die der besonderen Situation von Berufsrückkehrern
und -rückkehrerinnen nach § 20 SGB III Rechnung tragen, so
z. B. beim Zugang zu Weiterbildungsmaßnahmen oder bei Eingliederungszuschüssen
an Arbeitgeber, falls eine besondere Einarbeitung notwendig
ist. Weitere Informationen finden Sie ebenfalls unter den
oben angegebenen Internetadressen oder direkt bei Ihrem örtlichen
Arbeitsamt. |
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Wie können Arbeitgeber motiviert werden, mehr
Wiedereinsteigerinnen einzustellen? |
| Die Präsenz des Themas bei einer
breiten Öffentlichkeit, wodurch Sie auch mit dieser Veröffentlichung
beitragen, ist ein wichtiger Aspekt. Darüber hinaus wird die
bereits angesprochene demografische Entwicklung und die damit
zusammenhängende Problematik der Rekrutierung von Fachkräften
dazu beitragen, dass Arbeitgeber zunehmend das Potenzial der
Wiedereinsteigerinnen erkennen und nutzen. Diese Entwicklung
zeichnet sich bereits ab, ein Beispiel dafür ist die offensive
Werbung dieses Personenkreises im Bereich der Zeitarbeit.
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Aus einem Interview mit dem Präsidenten des
Deutschen Industrie- und Handelskammertags
(DIHK) Ludwig Georg Braun in Sonntag Aktuell am 16.08.01
Sie
fordern, mehr ältere Menschen und Frauen zu beschäftigen.
Warum?
Jedes Unternehmen verliert mit den älteren Menschen, wenn
sie in den Ruhestand gehen, auch ein Stück wertvollen Wissens.
Wir haben daher eine Zeit lang eine nicht unbedingt richtige
Arbeitsmarktpolitik verfolgt – nach dem Motto: Uns geht die
Arbeit aus, also schaffen wir Platz für Jüngere, die sonst
keine Arbeit fänden. Außerdem treibt mich die Sorge um, dass
wir in der Zukunft nicht mehr über ausreichend Fachkräfte
verfügen, um den investierten Kapitalstock voll nutzen zu
können. Der dritte Punkt ist die demografische Entwicklung…wir
sind eine alternde Gesellschaft, und deshalb gilt es, die
jüngeren Potenziale auszuschöpfen. Nun gibt es verschiedene
Möglichkeiten. Eine davon ist es, die Bildungssysteme zu verbessern,
um die vorhandenen Potenziale zu mobilisieren, also zum Beispiel
verstärkt Frauen ins Berufsleben zurückzuholen. Dafür müssen
mehr Kinderhorte, mehr Teilzeit- und mehr Telearbeitsplätze
angeboten werden… |
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