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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
14 - 4/2001 |
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| Frau und Führung – Traineeprogramm
für zukünftige weibliche Führungskräfte
Von Carmen Kremer, Zentrum für Psychiatrie, Weissenau
und akademie südwest
In unserem Betrieb hatten wir eine Leitungsstelle ausgeschrieben.
Der potenzielle männliche Bewerber erfüllte zirka 80 Prozent des
Stellenprofils und sagte: „Das kann ich!“ Die potenzielle weibliche
Bewerberin erfüllte zirka 85 Prozent des Stellenprofils und fragte:
„Meinst Du, ich kann das?“ Mit diesem typischen Beispiel aus meiner
Praxis als Frauenvertreterin möchte ich erläutern, dass sich Frauen
viel stärker hinterfragen als ihre männlichen Kollegen, dass sie
ihre Aufgaben eher zu 120 Prozent erledigen und deshalb genau wissen
wollen, was auf sie zukommen könnte. Vor diesem Erfahrungshintergrund
entstand das Projekt „Frau und Führung – Traineeprogramm für zukünftige
weibliche Führungskräfte“, eine Qualifikationsmaßnahme, die die
akademie südwest, die Fortbildungseinrichtung der südwürttembergischen
Zentren für Psychiatrie (ZfP) mit Sitz im Neuen Kloster in Bad Schussenried,
in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben
anbietet. |
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Carmen Kremmer |
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| Abschlusskolloqium am 5. Oktober
2001 |
Foto: ZfP Weissenau |
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Frauen haben nach wie vor
selten Führungspositionen inne. Zwar werden in Stellenausschreibungen
häufig Frauen ausdrücklich zur Bewerbung aufgefordert, dies führt
aber kaum dazu, dass sich Frauen vermehrt auf leitende Positionen
bewerben. Neben gesellschaftlichen, strukturellen und individuellen
Faktoren, die eine höhere Repräsentanz von Frauen in Führungsfunktionen
behindern, spielt auch bei fachlich qualifizierten Frauen oft die
subjektive Unterschätzung der eigenen „Führungsqualitäten“ eine
nicht unerhebliche Rolle.
Um bei Frauen mit den Anforderungen an eine Führungskraft
vertraut zu machen und sie bei einer Bewerbung zu bestärken, entwickelte
die „akademie südwest“ in Bad Schussenried mit finanzieller und
fachlicher Unterstützung des Sozialministeriums Baden-Württemberg
ein vielseitig einsetzbares „Traineeprogramm für zukünftige weibliche
Führungskräfte“. Dieses Programm soll dazu beitragen, die Zielsetzungen
des § 1 Landesgleichberechtigungsgesetz (LGlG) umzusetzen, nämlich
die „gezielte berufliche Förderung von Frauen, die Verbesserung
der Zugangs- und Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen sowie eine deutliche
Erhöhung des Anteils an Frauen, soweit sie in einzelnen Bereichen
geringer repräsentiert sind als Männer“. Das 18-monatige, berufsbegleitende
Trainee-Programm schließt mit einem Zertifikat ab. Die Kosten teilen
sich die Teilnehmerinnen und die entsendenden Institutionen je zur
Hälfte (vgl. AKTIV Nr. 7). |
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In unserem spezifisch auf Frauen ausgerichteten
Traineeprogramm werden zukünftigen weiblichen Leitungskräften in
18 Monaten – in drei Semestern, 544 Stunden, davon 80 Stunden Hospitation
– Managementund Führungsqualifikationen vermittelt. Durch diese
berufsbegleitende Qualifizierung verbessern sich die Möglichkeiten
der weiblichen Führungskräfte erheblich. Das Programm wird in geschlossenen
Lerngruppen angeboten. Bereits während der Weiterbildung entstehen
so Netzwerke, die in der späteren Tätigkeit wertvolle Unterstützung
ermöglichen können. Wirwählten bewusst ein langfristig angelegtes
Konzept, um die interne Teamentwicklung zu stärken und die Motivation
zu erhöhen. Es werden theoretische und praktische Inhalte vermittelt.
Im Mittelpunkt stehen allgemeine Management- und Führungsqualifikationen
und nicht die berufsspezifisch fachliche Wissensvermittlung. Der
Wissenstransfer wird durch Hospitationen in den Führungsetagen verstärkt.
Die Teilnehmerinnen setzen sich berufsgruppenübergreifend zusammen,
um auf diesem Wege zusätzlich den Kenntnis- und Wissensaustausch
untereinander zu begünstigen. Der Aufbau dieser Weiterbildung ist
in einzelne Module gegliedert. Grundmodule sind Personalwirtschaft
I mit Führung, Controlling, Team, Zielvereinbarungen, Führungsstile,
Zeitmanagement, Qualitätsmanagement, Präsentation, Rhetorik und
Konfliktmanagement und Personalwirtschaft II mit Personalplanung,
Personalgespräche, Personalentwicklung und Organisationsentwicklung.
Die variablen Module sind Betriebswirtschaftslehre, Informationswirtschaft,
Finanzierung, EDV und Recht. Das variable Modulsystem ermöglicht,
auf die Bedürfnisse und Strukturen der jeweiligen Zielgruppe eingehen
zu können.
Unser erster Kurs begann im April 2000 mit acht Teilnehmerinnen
und endete am 5. Oktober 2001 mit dem Abschlusskolloquium. Alle
Teilnehmerinnen schlossen mit Erfolg ab, drei von ihnen konnten
schon währen der Weiterbildung eine Leitungsstelle antreten. „Aktive
Frauenförderung ist in unseren Zentren selbstverständlich“, betont
ZfP-Geschäftsführer Wolfgang Rieger, „weil wir die Vereinbarkeit
von Familie und Beruf unterstützen und fördern wollen. Ich sehe
in der noch immer traditionellen Rolle der Frau in der Familie und
der damit verbundenen Doppelbelastung besondere Gegebenheiten. Als
Mitinitiator stehe ich dem Traineeprogramm sehr positiv gegenüber.
Die Hospitantinnen, die schon während der Traineezeit bei mir waren,
bestätigten mich. Es ist mir eine Freude, dass bereits drei Teilnehmerinnen
Führungspositionen einnehmen konnten. Ich halte deshalb das Traineeprogramm
Frau und Führung für eine gute Frauenfördermaßnahme und einen gelungenen
Weg der Personalentwicklung.“
Der nächste Kurs beginnt im Frühjahr 2002. Informationen
erteilt Carmen Kremer, akademie südwest, Tel. 0172/9024248, E-Mail:
Carmen.Kremer@ZfP-Weissenau.de |
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