AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 13 - 3/2001
   

Zur Bedeutung Geschlechter differenzierter Statistiken

Von Dr. Eberhard Leibing, Präsident des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg

Es ist Anliegen und Aufgabe der amtlichen Statistik, die soziale Wirklichkeit in unserer Gesellschaft datengestützt zu beschreiben und Grundlageninformationen für weitergehende Analysen bereitzustellen. Die Lebenssituationen von Männern und Frauen unterscheiden sich in vielen Gesellschaftsbereichen, eine Erkenntnis, die sicherlich zu den persönlichen, aber nicht immer konkret fassbaren Erfahrungen gehört. Die amtliche Statistik ist hier in der Lage, dieses auf der Grundlage einer fundierten Datenbasis objektiv darzulegen, wie folgende Beispiele deutlich machen.

Schul- und Hochschulabschlüsse
Im Bildungsbereich belegen die nach dem Geschlecht differenzierten statistischen Informationen, dass junge Frauen im Qualifikationsniveau den gleichaltrigen Männern heute kaum nachstehen. Seit Mitte der 90er Jahre absolvieren Jahr für Jahr sogar mehr Frauen als Männer erfolgreich das Abitur. Bei den Studienanfängern hat sich der Anteil der Frauen in den vergangenen zwei Jahrzehnten von 39 auf heute rund 48 Prozent erhöht. Hinsichtlich der Studienabschlüsse an Hochschulen liegt der Frauenanteil mit etwa 40 Prozent freilich noch deutlich unter dem ihrer männlichen Kommilitonen (60 Prozent). Ein großes Ungleichgewicht ergibt sich nach wie vor bei den Habilitationen. So betrug der Frauenanteil bei den 1999 durchgeführten Habilitationen etwa 16 Prozent. Allerdings waren dies 1980 – und das zeigt die Notwendigkeit von Zeitvergleichen – lediglich knapp 4 Prozent.

Erwerbsleben und Verdienste
Der Übergang ins Erwerbsleben wird heute von jungen Frauen und Männern in fast gleich großem Umfang vollzogen. Bei den unter 25-Jährigen lässt sich eine nur leicht höhere Erwerbsbeteiligung der Männer feststellen. Mit Beginn der Familienphase ergeben sich – häufig als Spiegelbild neuer Aufgabenverteilung der Partner in Familie und Erwerbsleben – größere Differenzen. Von den 30- bis unter 35-jährigen Frauen sind gegenwärtig rund 72 Prozent erwerbstätig, bei den gleichaltrigen Männern etwa 94 Prozent. In der etwas höheren Erwerbsbeteiligung der Frauen in der Altersphase zwischen 40 und 50 Jahren kommt auch der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben von Frauen zum Ausdruck, die Familie und Beruf zeitlich nacheinander vereinbaren (vgl. Grafik).

 


Dr. Eberhard Leibing


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Das folgende Beispiel unterstreicht die Notwendigkeit, statistische Informationen nicht nur nach Frauen und Männern getrennt auszuwerten, sondern auch mit anderen Geschlechter differenzierten Sachverhalten in Verbindung zu setzen. Auch heute noch liegen die Bruttomonatsverdienste männlicher Angestellter im Durchschnitt deutlich über denen der weiblichen Angestellten – im Herbst 2000 waren es im badenwürttembergischen Handel, Kredit- und Versicherungsgewerbe etwa 30 Prozent mehr. Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass hinter dieser Verdienststruktur eine unterschiedliche Qualifikationsstruktur steht. So war über ein Drittel der männlichen Angestellten in den Führungsebenen tätig, bei den angestellten Frauen lediglich 12 Prozent. Dagegen lag der Anteil der Frauen in den weniger qualifizierten Leistungsgruppen bei rund 45 Prozent gegenüber knapp 25 Prozent bei den Männern.

Diese Beispiele zeigen die Wichtigkeit Geschlechter differenzierter Statistiken. Die amtlichen Statistiken weisen diese Differenzierungen aus, wo immer es sachlich und methodisch möglich und gerechtfertigt ist. Gleichwohl sind sie an die Vorgaben ihres gesetzlichen Auftraggebers und des Datenschutzes gebunden.