| Zur Bedeutung Geschlechter
differenzierter Statistiken
Von Dr. Eberhard Leibing, Präsident des Statistischen
Landesamtes Baden-Württemberg
Es ist Anliegen und Aufgabe der amtlichen Statistik,
die soziale Wirklichkeit in unserer Gesellschaft datengestützt zu
beschreiben und Grundlageninformationen für weitergehende Analysen
bereitzustellen. Die Lebenssituationen von Männern und Frauen unterscheiden
sich in vielen Gesellschaftsbereichen, eine Erkenntnis, die sicherlich
zu den persönlichen, aber nicht immer konkret fassbaren Erfahrungen
gehört. Die amtliche Statistik ist hier in der Lage, dieses auf
der Grundlage einer fundierten Datenbasis objektiv darzulegen, wie
folgende Beispiele deutlich machen.
Schul- und Hochschulabschlüsse
Im Bildungsbereich belegen die nach dem Geschlecht differenzierten
statistischen Informationen, dass junge Frauen im Qualifikationsniveau
den gleichaltrigen Männern heute kaum nachstehen. Seit Mitte der
90er Jahre absolvieren Jahr für Jahr sogar mehr Frauen als Männer
erfolgreich das Abitur. Bei den Studienanfängern hat sich der Anteil
der Frauen in den vergangenen zwei Jahrzehnten von 39 auf heute
rund 48 Prozent erhöht. Hinsichtlich der Studienabschlüsse an Hochschulen
liegt der Frauenanteil mit etwa 40 Prozent freilich noch deutlich
unter dem ihrer männlichen Kommilitonen (60 Prozent). Ein großes
Ungleichgewicht ergibt sich nach wie vor bei den Habilitationen.
So betrug der Frauenanteil bei den 1999 durchgeführten Habilitationen
etwa 16 Prozent. Allerdings waren dies 1980 – und das zeigt die
Notwendigkeit von Zeitvergleichen – lediglich knapp 4 Prozent.
Erwerbsleben und Verdienste
Der Übergang ins Erwerbsleben wird heute von jungen Frauen und Männern
in fast gleich großem Umfang vollzogen. Bei den unter 25-Jährigen
lässt sich eine nur leicht höhere Erwerbsbeteiligung der Männer
feststellen. Mit Beginn der Familienphase ergeben sich – häufig
als Spiegelbild neuer Aufgabenverteilung der Partner in Familie
und Erwerbsleben – größere Differenzen. Von den 30- bis unter 35-jährigen
Frauen sind gegenwärtig rund 72 Prozent erwerbstätig, bei den gleichaltrigen
Männern etwa 94 Prozent. In der etwas höheren Erwerbsbeteiligung
der Frauen in der Altersphase zwischen 40 und 50 Jahren kommt auch
der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben von Frauen zum Ausdruck, die
Familie und Beruf zeitlich nacheinander vereinbaren (vgl. Grafik).
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