| Beispiel: Gender Mainstreaming
in der Stadtplanung
Von Gabriele Steffen, Weeber + Partner, Institut
für Stadtplanung und Sozialforschung, Geschäftsführerin
Der Lebensmitteleinkauf ist ein wesentlicher Bestandteil
von Alltagsorganisation und Zeitbudget, und er ist noch immer überwiegend
Frauensache. Ist die Nahversorgung nicht ausreichend, trifft das
besonders die Haushalte ohne Auto, solche mit geringerem Einkommen,
Allein Stehende und Allein Erziehende, Ältere - und damit wiederum
Frauen stärker als Männer. Dies sind Ergebnisse einer vom Verband
Region Stuttgart in Auftrag gegebenen und vom Sozialministerium
und Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg geförderten Studie
zur wohnungsnahen Versorgung. Anlass war die zunehmende Verlagerung
des Einzelhandels an periphere Standorte, die sich rasant ausweiten
und eine eigene Dynamik entfalten. Die Untersuchung umfasste Telefoninterviews
bei 431 Haushalten in acht Beispielorten der Region mit unterschiedlichen
Versorgungsgraden und räumlich-städtebaulichen Strukturen (je zwei
urbane gemischte Stadtteile, reine Wohnsiedlungen, dörflich „gewachsene“,
eingemeindete Stadtteile, kleinere selbständige Gemeinden) und Recherchen
vor Ort, fundiert und begleitet durch die Aufarbeitung von Entwicklungstendenzen
und Handlungsmöglichkeiten.
Das wesentliche Ergebnis: Wo das Angebot vor Ort gut
ist, wird es auch genutzt – rund 40 bis 66 Prozent kaufen dort überwiegend
oder gar fast ausschließlich ein, rund 70 bis 90 Prozent zumindest
teilweise. Zu diesem guten Angebot gehört zusätzlich zu vielfältigen
kleineren Läden und Discounter in der Regel auch ein nicht zu kleiner
Vollsortimenter. Bei eingeschränktem Angebot kaufen die meisten
überwiegend außerhalb – im Einkaufscenter „auf der grünen Wiese“,
wo man deutlich autoorientiert ist, oder ansonsten in nahe liegenden
höherwertigen Stadtteilzentren.
Die Zusammenhänge und Synergien unterschiedlicher Angebote
– private und öffentliche Dienstleister, Gastronomie, soziale, kulturelle
und sonstige Infrastruktur, überhaupt Arbeitsplätze im Quartier
–, die sich gegenseitig stützen und nützen, sind entscheidend für
die Vitalität eines Stadtteils, einer Gemeinde. Die Lebensmittelversorgung
hat dabei eine Schlüsselfunktion: Dem Verbrauchermarkt folgen auch
Apotheke und Sparkasse auf die „grüne Wiese“ nach. Und wer ohnehin
mit dem Auto zum Einkaufen fahren muss, erledigt bei der Gelegenheit
auch anderes außerhalb.
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Gabriele Steffen
| Die Studie zeigt Möglichkeiten
zum Handeln auf. Dies ist nicht zuletzt im Sinne einer besseren
Vereinbarkeit von Beruf und Familie dringend geboten. |
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Ausschlaggebend für den Einkauf im eigenen Ort ist besonders
die Erreichbarkeit zu Fuß, die Nähe zur Wohnung. Als Vorzug des
Einkaufscenters werden die große Auswahl, die Verbindung unterschiedlicher
Angebote unter einem Dach, die günstigen Preise genannt. Den Zeitaufwand
und die Atmosphäre dort erleben dagegen viele als störend. Am Stadt-
oder nahen Stadtteilzentrum wird das oft „besondere“ Angebot geschätzt
und die Möglichkeit, den Einkauf mit anderen Erledigungen oder dem
Arbeitsweg zu verbinden. Überhaupt versuchen über 60 Prozent – Frauen
mehr als Männer –, den Einkauf mit anderen Wegen zu kombinieren:
Arbeit, andere Einkäufe, Wege zu Bank, Post, Arzt, Apotheke. „Nahversorgung“
meint somit heute nicht mehr nur die wohnungsnahe, sondern auch
die arbeitsortnahe Versorgung und die räumliche Nähe unterschiedlicher
Angebote, die auf kurzem Weg zu erreichen und zu verbinden sind. |