AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 13 - 3/2001
   

Beispiel: Gender Mainstreaming im Sport

Von Dr. Barbara Oettinger und Annette Grimm, Ausschuss „Frauen im Sport“ des WLSB

Gender Mainstreaming (GM) nun auch im Sport! Der organisierte Sport, die mitgliederstärkste badenwürttembergische Organisation hat mit mittlerweile zwei Fünfteln weiblicher Mitglieder in den Sportvereinen einen beachtlichen Frauenanteil vorzuweisen. Dies spiegelt sich allerdings nicht in Führungspositionen, Gremienbesetzungen und TrainerInnenstäben wider. Zwar wurde schon vieles durch Projekte und Fortbildungsseminare erreicht (siehe AKTIV Nr. 9), und in Führungspositionen, insbesondere auf Vereinsebene, sind Verbesserungen des Frauenanteils zu erkennen. Auch beteiligen sich zunehmend Männer an Seminaren zur Gleichstellungsthematik und Frauenförderung, und andersherum ist ein aktuelles Seminar des Württembergischen Landessportbundes (WLSB) „Einführungstagung für neu gewählte Mitarbeiter/ innen in den Sportkreisvorständen“ schon nahezu zur Hälfte mit Frauen besetzt. Dennoch sind sich alle einig, dass Frauenförderung im Sport nach wie vor ein Thema ist.

Die europäische Tendenz hin zum GM widerspricht dem Wunsch nach weiterer intensiver Frauenförderung nicht. Denn die Umsetzung der Frauenförderpläne auf allen Ebenen des Sports vom Land bis hin zum Kreis und Sportverein mit Förderung von Frauen in Führungspositionen oder als Mitglieder von Gremien durch gezielte Seminararbeit oder Mentoring sind das eine. Die Rahmenbedingungen und Inhalte im Bereich des Sports aus der Blickrichtung beider Geschlechter betrachtet sind das andere. Wie gehen wir an die Planung von Sportstätten heran? Beachten wir dabei die männlichen und weiblichen Bedürfnisse? Sportveranstaltungen, fachliche wie überfachliche Aus- und Fortbildung im Sport, Gremien, männliche wie weibliche Sprachform ...

Der Sport möchte GM nutzen und als Chance verstehen. In Wechselwirkung mit der eigentlichen Frauenförderung lassen sich die gesteckten Ziele so effizienter verfolgen und lässt sich das Streben nach besseren Rahmenbedingungen intensivieren. Mehr und mehr nehmen wir im Sport den Wunsch wahr, Frauen überall zu dem Anteil zu verhelfen, der ihrem Mitgliederanteil entspricht. Die Chance, welche Frauen im Sport für die Gesamtheit darstellen, wenn sie als Trainerinnen, Übungsleiterinnen und Führungskräfte, nicht zuletzt als Mitglieder in den inhaltlich bestimmenden Ausschüssen des Sports aus einem ganzheitlichen Ansatz heraus wichtig sind, wird offensichtlich immer mehr gesehen. Durch Frauenpräsenz gelingt es Männern – bewusst oder unbewusst – leichter z.B. die Belange aller Vereins- und Verbandsmitglieder zu berücksichtigen. Und: Frauen übernehmen Posten um so lieber, je bessere Rahmenbedingungen sie vorfinden. Schließlich sind auch im Sport ehrenamtliche Positionen gar nicht so leicht zu besetzen.

 


Dr. Barbara Oettinger


Annette Grimm