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| AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe
12 - 2/2001 |
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| Wildwasser Freiburg e.V
Von Lisa Meßmer, Wildwasser Freiburg e. V.
Wildwasser Freiburg e. V. ist eine Beratungs- und Informationsstelle
gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen, die ihren Ursprung in der
Frauen-Selbsthilfebewegung hat. Anfang der 80er Jahre begannen Frauen,
die von ihnen persönlich erlebte sexualisierte Gewalt in der Kindheit
und Jugend zu benennen und öffentlich zu machen. In Berlin gründete
sich eine erste Selbsthilfegruppe, die sich „Wildwasser“ nannte.
Die „Wildwasser“- Idee breitete sich aus, und es kam bundesweit
in vielen Städten zur Gründung von Selbsthilfegruppen und fachspezifischen
Beratungsstellen.
Das Grundprinzip der Arbeit dieser Beratungsstelle
ist die „Parteilichkeit“: zum einen ein konkretes Beratungskonzept,
das auf die Wahrung der Interessen und Bedürfnisse der betroffenen
Mädchen und Frauen abzielt und darauf, dass diese ihre eigenen Handlungsperspektiven
entwickeln, und sie nicht auf den Klientinnenstatus „sexuell missbraucht“
reduziert. Zum anderen stellt der Begriff „Parteilichkeit“ die von
Mädchen individuell erlebte Gewalt in einen gesellschaftspolitischen
Zusammenhang: Persönlich ausgeübte sexualisierte Gewalttaten sind
in gesellschaftliche Abhängigkeitsstrukturen eingebettet (z. B.
in das Geschlechterund Generationenverhältnis), die die sexuellen
Übergriffe fördern und teilweise legitimieren. So stellt Wildwasser
Freiburg der individuellen Unterstützung von betroffenen Mädchen
und Frauen immer eine Öffentlichkeitsarbeit zur Seite, die gesellschaftliche
Veränderungen einfordert und somit zusammen mit der Fortbildungsarbeit
ein wichtiger Pfeiler präventiver Arbeit ist.
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Lisa Meßmer |
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| Modellprojekt:
„Parteiliche Arbeit gegen sexuelle Gewalt an Mädchen und jungen
Frauen mit körperlichen Behinderungen“
Mädchen und junge Frauen mit Behinderung sind u. a. aufgrund
ihrer doppelten Benachteiligung (als Mädchen und aufgrund ihrer
Behinderung) überproportional häufig von sexueller Gewalt betroffen.
In den fachspezifischen Beratungsstellen zu sexueller Gewalt sind
sie aber als Besucherinnen kaum zu finden1. Um diese
Problematik aufzuarbeiten, hat Wildwasser Freiburg ein zweijähriges
Modellprojekt initiiert, das im September 2000 mit Unterstützung
der Stiftung Deutsche Jugendmarke, der Stadt Freiburg und des Sozialministeriums
Baden-Württemberg auf zwei Jahre befristet angelaufen ist. Es hat
zum Ziel, Mädchen/junge Frauen mit körperlichen Behinderungen in
die Zielgruppe der fachspezifischen Beratungsstellen zu integrieren
und die Lücke zwischen Behindertenhilfe und Jugendhilfe im Bereich
„sexueller Missbrauch“ zu schließen. Das Projekt wird wissenschaftlich
begleitet, um die Ergebnisse für eine bundesweite Übertragbarkeit
verwertbar zu machen.
1 Aiha Zemp/Erika Pircher,
Sexuelle Ausbeutung von Mädchen und Frauen mit Behinderung, Studie
hrsg. von Bundesministerium für Frauenangelegenheiten, Wien 1996.
Laut dieser Studie sind 60 Prozent aller behinderten Frauen von
sexueller Gewalt betroffen. |
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Das Angebot der Beratungs- und Informationsstelle:
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Beratung für betroffene Mädchen ab ca. zwölf Jahren und für
Frauen, die in der Kindheit/Jugend sexuelle Gewalt erlitten
haben (Gruppenangebote, Hilfe bei der Suche nach einer Therapeutin
oder Rechtsanwältin, Krisen- und Prozessbegleitung, Interventionen
mit und für jugendliche Mädchen in einer Missbrauchssituation,
Unterstützung bei der Aufarbeitung der Gewalterlebnisse usw.), |
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Beratung für Mütter betroffener Töchter, für Mütter, die
einen Verdacht abklären wollen, oder für Mütter, denen ganz
allgemein die Stärkung der Persönlichkeit ihrer Töchter am Herzen
liegt, |
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Beratung für Unterstützerinnen, die privat oder beruflich
Kontakt zu Betroffenen haben (z. B. Tanten, Freundinnen, Lehrerinnen,
Erzieherinnen) oder die Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf
einen Verdacht durchsprechen möchten, |
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Initiierung von Selbsthilfegruppen, mit ausführlichen Beratungs-
und Klärungsgesprächen mit den einzelnen Frauen und Gestaltung
der Gründungsabende, für Krisensituationen Supervision auf Anfrage.
Für Mädchen gibt es angeleitete Gruppen. |
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Öffentlichkeitsarbeit: Organisation von Ausstellungen, Filmtagen
und Informationsveranstaltungen sowie |
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Fortbildung vor allem von Fachkräften aus sozialen Berufsfeldern
(Kindergarten, Schule, Jugendhilfe etc.) über die Ursachen und
Folgen eines sexuellen Missbrauchs und über die Interventionsmöglichkeiten
zum Schutz eines aktuell betroffenen Mädchens. So erhöht sich
die Chance für ein Mädchen, auf fachliche und kompetente Hilfe
zu treffen. |
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