AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 12 - 2/2001
   

20 Jahre Frauenrechtsarbeit – Terre des Femmes e. V.

Von Christa Stolle, Geschäftsführerin Terre des Femmes e. V., Tübingen

Gegründet wurde die gemeinnützige Organisation Terre des Femmes 1981, weil die Menschenrechte von Frauen auf der ganzen Welt nicht gewahrt wurden. Die Gründerinnen erkannten, dass die 1948 feierlich verabschiedete und universell geltende „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ zwar auf dem Papier für alle Menschen gilt, aber in der Praxis in erster Linie die Menschenrechte von Männern schützt. Artikel 1 der Erklärung proklamiert unmissverständlich: „Alle Menschen sind frei und an Würde und Rechten gleich geboren.“ Wie aber lassen sich Genitalverstümmelungen, Zwangsprostitution oder auch die Lage einer gedemütigten und missbrauchten Frau in einem deutschen Frauenhaus mit diesem Satz vereinbaren.

Terre des Femmes setzt sich dafür ein, dass Frauen und Mädchen weltweit als fähige, gleichwertige Mitglieder einer Gesellschaft geachtet werden. Das zielt letztlich auf die Abschaffung sämtlicher patriarchaler Lebensformen. Terre des Femmes konzentriert sich deshalb auf Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit, internationale Vernetzung, Einzelfallhilfe und die Förderung von einzelnen Projekten für Frauen, um konkret für einzelne Frauen und Mädchen eine Verbesserung ihrer Situation durchzusetzen, aber – noch wichtiger – um das Bewusstsein zu ändern und entsprechende frauen(menschen)freundliche Gesetzesgrundlagen und Rahmenbedingungen mit zu gestalten.

 


Christa Stolle

Terre des Femmes ; Konrad-Adenauer- Str. 40; 72072 Tübingen; Fon: 07071/ 7973-0; Fax: 7973-22; E-Mail: TDF@swol.de; www.terre-des-femmes. de; Konto: Kreissparkasse Tübingen, Kto. 881999, BLZ 641500 20

     

Es bedurfte eines jahrzehntelangen Bewusstseinsprozesses und weiterer UN-Übereinkommen, um Gewalt an Frauen und vielfältige Formen der Diskriminierung als Verstoß gegen die Menschenrechte von Frauen wahrzunehmen. Diese geschlechtspezifischen Menschenrechtsverletzungen umfassen u.a.:

  Handel mit Frauen,
  sexualisierte Gewalt an Mädchen und Frauen,
  Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts von Frauen über ihren Körper, z. B. Zwangssterilisationen und genitale Verstümmelung,
  Abtreibung weiblicher Föten,
  Mitgift- und Ehrenmorde und
  Ausschluss aus dem öffentlichen Leben durch verweigerte oder schlechtere Bildung, Zwangsverschleierung usw.
     

So gab Terre des Femmes im Jahr 2000, in einer Auflage von 500.000 und in sechs Sprachen (somalisch, arabisch, kiswahili, deutsch, französisch, englisch) eine Broschüre zur Prävention von Genitalverstümmelung „Wir schützen unsere Töchter“ heraus, die bundesweit an Migrantinnen und Migranten aus Ländern, in denen verstümmelt wird, an Ausländerbehörden, Arztpraxen und Gesundheitsämter verteilt wird, oder unterstützt mit Sach- und Geldspenden die Beratungsstelle „Malinowka“ in Minsk, Weißrussland, wo Frauen, die in Deutschland als Prostituierte gearbeitet haben und ausgewiesen werden, nach der Rückkehr Beratung finden oder auswanderungswillige Frauen über die rechtlichen Rahmenbedingungen informiert und vor dubiosen Angeboten gewarnt werden.

Diese Arbeit wird vor allem über Spenden und Mitgliedsbeiträge finanziert. Seit der Gründung der Bundesgeschäftsstelle in Tübingen 1990 konnte die Mitgliederzahl auf über 2.000 erhöht werden. Die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeiterinnen (größtenteils in Teilzeit) liegt inzwischen bei 16. Darüber hinaus engagieren sich ehrenamtliche Mitarbeiterinnen in über zehn TDF-Städtegruppen bundesweit. Seit mehr als einem Jahr gibt es eine eigenständige Sektion in der Schweiz.