Ich bin fest überzeugt, wenn wir wirklich gesellschaftliche Veränderungen wollen, reichen Larmoyanz und bloßes Monieren nicht aus, man muss sich selbst einbringen. Wie die meisten Aktiven bin ich in dieses Engagement hineingewachsen: Zunächst in der kirchlichen Jugendarbeit, seit 1981 bei der ÖTV, wo ich mich in der Frauenarbeit für gemeinsame Positionen zur Gleichstellung von Frauen in der Tarifpolitik, der Alterssicherung, der Gleichstellung im Berufsleben engagierte. So ergab sich meine Mitarbeit im Landesfrauenrat nahezu zwangsläufig. In meiner beruflichen seelsorgerischen Arbeit stehen Zuhören können und Empathie im Mittelpunkt, im Ehrenamt aktives Gestalten.
Was
hat sie veranlasst, ein bedeutendes Ehrenamt anzunehmen?
Als mich Verbandsvorsitzende und Delegierte unterschiedlichster
Mitgliedsverbände des Landesfrauenrates zur Kandidatur für den
Vorsitz aufforderten, gehörte ich bereits über sechs Jahre dem
Vorstand des Landesfrauenrates an. In vielen Arbeitskreisen und
Ausschüssen hatte ich mitgewirkt und zur Positionsfindung entscheidend
beigetragen. Nach reiflicher Überlegung (Beruf, Kind, familiäre
Verpflichtungen und Ehrenamt) entschied ich mich, mich der Verantwortung
zu stellen und die Arbeit des Landesfrauenrates mit all ihren
Möglichkeiten aktiv zu gestalten.
Was
liegt Ihnen am Herzen?
Junge Frauen für unsere Arbeit zu gewinnen, ihre Interessen
bei unserer Beschlussfassung und politischen Prioritätensetzung
zu berücksichtigen, ist mir ein zentrales Anliegen. Sehr wichtig
sind mir die Initiierung und Fortführung von Projekten und Aktionen
wie die großen Veranstaltungen zur Information von Mädchen und
MultiplikatorInnen über IT-Berufe und Ausbildungswege, „Girls
be cool, go for IT“, die „Qualitätsoffensive Brustkrebs“ und im
Wahljahr die Gewichtung der frauenpolitischen Aktivitäten der
Fraktionen. Noch wichtiger ist mir allerdings, die Bedeutung und
Wahrnehmung des Landesfrauenrates in der politischen Landschaft
Baden-Württembergs zu erhöhen.
Worin
liegt Ihr persönlicher Gewinn aus dieser umfagreichen Tätigkeit?
Anerkennung in Form der jährlichen „Muttertagsanerkennung“
ist mir nicht wichtig. Anerkennung beziehe ich aus dem Erfolg
unserer Arbeit, besonders, wenn es gelingt, von uns gesehene Veränderungsnotwendigkeiten
anzustoßen, und ich freue mich, wenn ich Ideen und Visionen umsetzen
kann. Die ehrenamtliche Arbeit ist oft zeitintensiv, und bei der
engagierten Vertretung von Positionen sind Konflikte unumgänglich.
Und doch ist sie bei weitem nicht nur belastend. Die Arbeit als
Vorsitzende erfordert, mit schwierigen Situationen umzugehen und
die Positionen des Landesfrauenrates und damit die Anliegen der
Frauen im Land gegenüber den Entscheidungsträgern in Politik und
Wirtschaft zu vertreten.Ich habe viele interessante Menschen kennen
gelernt, über die ehrenamtliche Arbeit sind Freundschaften entstanden
und ich habe mich und meine Positionen weiterentwickelt.
Wie
hoch schätzen Sie gesellschaftliche Gestaltungsmöglichkeiten im
Ehrenamt?
Ganz beträchtlich, wenn ich z.B.an die Einflussmöglichkeiten der
Nichtstaatlichen Organisationen (NGO) auf nationaler und internationaler
Ebene denke. Natürlich kommt es auf die jeweilige Position an,
auf die Zahl der Mitglieder, die man vertritt oder das Gewicht,
das die Politik diesen zumisst. Es hängt auch davon ab, inwieweit
ehrenamtlicher Sachverstand in Gremien, Ausschüsse, Beiräte etc.
eingebunden ist. Würde ich nicht an Gestaltungsmöglichkeiten glauben,
könnte ich mich niemals in diesem Umfang engagieren. Wenn ich
nur an die jahrzehntelangen Forderungen zum Ausbau der Kinderbetreuung
denke, sehe ich jetzt endlich die ersten von uns geforderten Verbesserungen
– wir bewegen also doch etwas!





