Noch nie waren Seniorinnen und Senioren
zu Beginn ihres Ruhestands so „jung“ gewesen, so gut ausgebildet,
gesund und mobil und auch finanziell relativ gut ausgestattet wie
Anfang der 90er-Jahre. Hinzu kamen eine große Zahl von Menschen,
die im Alter von 55 –58 Jahren in den Vorruhestand gingen. Natürlich
hatten viele aus dieser Zielgruppe bereits Erfahrungen im ehrenamtlichen
Engagement vorzuweisen. Hier sind es gerade Frauen, für welche dieser
Begriff einen schalen Geschmack bekommen hatte. Waren sie doch lange
Zeit diejenigen, welche die Arbeit verrichteten, jedoch kaum in
Vorstandsebenen vorstoßen konnten. Die Diskussion über das NEUE
im Engagement war längst überfällig. Außerdem fanden Entwicklungen
in Europa Beachtung und lösten in Baden-Württemberg ein Echo über
das gesamte Spektrum der Freiwilligenarbeit aus. Für viele waren
die Seniorengenossenschaften genau das, worauf sie gewartet hatten.
Seniorinnen und Senioren waren frei von Arbeitsmarktsorgen und fanden
deshalb interessiert Zugang zu dieser Entwicklung. Nach der Devise,
selbstbestimmt, selbstorganisiert neue Betätigungsfelder zu finden,
für sich und für andere etwas Sinnvolles zu tun, machte auch jenen
Mut zum Engagement, welche leidvolle Erfahrungen im Ehrenamt hinter
sich hatten.
Auch die ARBES entwickelte Leitgedanken aus der Sicht
der Bürgerinnen und Bürger, welche die Volunteers- Grundsätze beinhalteten,
aber noch erweitert wurden um die Forderung nach Partnerschaftlichkeit
im Umgang mit Fachkräften,Verwaltungsebenen und Verbandsstrukturen
sowie die Partizipation im Gemeinwesen.
Der Dialog zwischen Staat und Bürgerinnen und Bürgern
wurde belebt. Inzwischen ist es gelungen, über die kommunale Einbeziehung
die vielfältigen Formen des Engagements zusammenzuführen. So werden
auch die im Internationalen Freiwilligenjahr 2001 verstärkten Bemühungen
um eine weitere landesweite Vernetzung diesen Dialog voranbringen
und die Kommunikation auf lokaler Ebene befruchten.
Eine den Bürgerinnen und Bürgern im Engagement besonders wichtige
Perspektive ist qualifizierendes Lernen. Projekte hierfür sind
beispielsweise die Sommerakademien von Bad Herrenalb. Für das
Auftreten in der Öffentlichkeit, die Verantwortung in der Organisation
und beim Ergreifen von Initiative in den Projekten ist es vor
allem Bürgerinnen wichtig, in vielseitigen Lernbausteinen die
notwendige Unterstützung zu erhalten. Gemäß einer Auswertung der
Beteiligung an Fortbildungsmaßnahmen der letzten sechs Jahre waren
knapp 75 Prozent der Teilnehmenden Frauen.
Die Rolle der Frauen
Von der Geschäftsstelle im Sozialministerium wurde der gemeinwesenorientierte
Ansatz hervorgehoben und umgesetzt.Bürgerinnen und Bürger organisierten
sich auf Landesebene in der Gründung der ARBES. Was mit älteren
Menschen begonnen hatte,wurde durch vielfältige Initiativen Generationen
übergreifend fortgesetzt. Bürgerbüros, Bürgertreffs, Orte für
Familien, Jung-Alt-Initiativen, Kontakt- und Hobbybörsen, Tauschringe
und Volunteers-Projekte entstanden mit dem Anspruch, in der Kommune
Lebensqualität sichern zu helfen. Viele Kommunen sahen hier die
Chance, durch eine Ermöglichungsverwaltung Bürgerschaftliches
Engagement fest auf lokaler Ebene zu etablieren. Frauen und Männer
in ihrem Tun ernst zu nehmen, sie dabei zu begleiten und zu unterstützen,
ermöglichte in den Gemeinden, Städten und Landkreisen Ideenreichtum
und mannigfaltiges Engagement.
 |
| „Weil es uns gefällt“ Auftakt zum IJF am 12.1.2001
im Haus der Wirtschaft in Stuttgart |
| Foto:Kraufmann |
Bald waren es wiederum in vielen Einrichtungen die Frauen, welche
pragmatisch die eigenen guten Erfahrungen mit der Enkelgeneration
und ihren neuen Ideen in Projekten gemeinsam mit jungen Menschen
umsetzten. In den neuen Formen des Engagements wurde nicht nach
Spezialisierung gefragt, sondern nach generalistischen Fähigkeiten
von Bürgerinnen und Bürgern. Es sind zu zwei Dritteln Frauen,
die ihren Platz im Bürgerschaftlichen Engagement gefunden haben.
In der neuesten Auswertung der ARBES (Bd. 24, Schriftenreihe Sozialministerium)
ist dies empirisch erfasst. Und erfreulicherweise sind es auch
mehrheitlich Frauen, die in den ARBES-Vorstand gewählt sind und
den Vorsitz führen.
Das Freiwilligenjahr 2001
Konsequent werden einzelne Bausteine zueinandergefügt: Kommunale
Verbände, neue Initiativen wie die ARBES, Wohlfahrtsverbände und
neue Methoden wie die Lernbausteine, Netzwerkstrukturen und Kampagnen
(„Weil es uns gefällt“) für das Freiwilligenjahr wirken ressortübergreifend
zusammen. Dies wurde bei der Auftaktveranstaltung am 12. Januar
in Stuttgart auf beeindruckende Weise deutlich. Vielen Frauen
und Männern ist es wichtig, aktiv für demokratische Werte einzutreten.Voneinander
lernen – Orte, Geschlechter, Projekte – und dies in lokalen Bündnissen
und Veranstaltungen für „Bürger chaftliches Engagement“ zusammenfließen
zu lassen, ist das Ziel hier im Land.
Diese Entwicklung des Bürger chaftlichen Engagements, die in Baden-Württemberg
ihren Anfang hatte, setzt sich in vielen anderen Bundesländern fort
– oft wird die Geschäftsstelle oder die ARBES als Berater hinzugezogen
– bis hin zur Arbeit der Enquete-Kommission auf Bundesebene.