AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 1 - 4/1997
   

Neue Projekte und Themen aus dem Sozialministerium

Erster überbetrieblicher Verbund für frauen- und familienfreundliche Beschäftigungsbedingungen


Erstmals in Baden-Württemberg ist ein "Verbund von Klein- und Mittelbetrieben zur Schaffung familienfreundlicher und frauenfördernder Beschäftigungsbedingungen" gegründet worden. Dies war Ziel eines Modellprojekts, das das Sozialministerium unter der Trägerschaft des Vereins "Netzwerk Frau und Beruf" im vergangenen Jahr in Villingen-Schwenningen eingerichtet hat. Vor zahlreichen Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft und Politik der Region Schwarzwald-Baar-Heuberg stellte Staatssekretärin Johanna Lichy am 16. Oktober 1997 in Villingen Zielsetzung und Bedeutung dieses landesweit neuartigen Projekts dar:
"80 % der erwerbstätigen Frauen in Baden-Württemberg sind in Klein- und Mittelbetrieben beschäftigt. Deshalb ist es frauenpolitisch von zentraler Bedeutung, daß auch diese Betriebe ihren Beschäftigten gute Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, aber auch Maßnahmen der betrieblichen Frauenförderung bieten können. Dies kann und soll der überbetriebliche Verbund für die Mitgliedsbetriebe leisten."

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(Foto:Fleig)

Ministerpräsident Erwin Teufel würdigte in einem schriftlichen Grußwort dieses landesweit neue und einzigartige Projekt und übermittelte seine guten Wünsche für einen für die Beschäftigten und die Betriebe erfolgreichen Verlauf des Projekts.

Ina Klietz, die erste Vorsitzende, stellte den neuen überbetrieblichen Verbund Region Schwarzwald-Baar-Heuberg vor. Nach rund einem Jahr Vorbereitungsphase in der Region haben 10 Klein- und Mittelbetriebe aus dem Bereich der Dienstleistung und des Handwerks gemeinsam den Verbund gegründet; weitere Betriebe haben bereits ihr Interesse an der Mitgliedschaft signalisiert. Frau Klietz ist Leiterin der Seniorenresidenz Hirschhalde in Bad Dürrheim und erhofft sich vom Verbund z.B. konkrete Unterstützung bei der betrieblichen Personalplanung und Personalentwicklung.

Dr. Katrin Distler, Geschäftsführerin des überbetrieblichen Verbundes, konkretisierte die Aufgabenschwerpunkte der Verbundgeschäftsstelle für die Mitgliedsbetriebe. Im Vordergrund stehen Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit und zur betrieblichen Frauenförderung, wie z.B.:

  • die unentgeltliche Vermittlung von Arbeitsvertretungen z.B. bei Erziehungsurlaub sowie in Urlaubs- und Krankheitsfällen;
  • die Beratung von Beschäftigten im Erziehungsurlaub zu Kontakthaltemaßnahmen und zur Vorbereitung und Organisation der Wiederaufnahme der Erwerbstätigkeit;
  • die Organisation von beruflichen und betriebsspezifischen Bildungsmaßnahmen, wie sie etwa im Zusammenhang mit längeren Beurlaubungen von Beschäftigten notwendig werden;
  • Hilfestellung bei der Organisation von Kinderbetreuung;
  • Beratung zur Arbeitszeitgestaltung und -flexibilisierung.

Dem überbetrieblichen Verbund Schwarzwald-Baar-Heuberg wünschte die Frauenbeauftragte der Landesregierung, Johanna Lichy, viel Erfolg für die Frauen in der Region und eine landesweite Ausstrahlung. Für das Modellprojekt stellt das Sozialministerium bis Anfang 1999 Mittel in Höhe von insgesamt rund 400.000 DM zur Verfügung.

 

"Ohne uns läuft nichts!" - Neue Ausschreibung des Sozialministeriums für Frauen im ehrenamtlichen Engagement


Wer von Ehrenamt spricht, muß wissen, daß es ganz überwiegend Frauen sind, die hier freiwillige unentgeltliche gesellschaftliche Arbeit leisten. Aber: In der Öffentlichkeit wird dies noch viel zu wenig wahrgenommen. Unter dem Motto "Ohne uns läuft nichts! - Frauen im ehrenamtlichen Engagement" hat das Sozialministerium deshalb jetzt erstmals die Förderung von Projekten von und für ehrenamtlich tätige Frauen ausgeschrieben. Innovative Projekte und Aktionen von und für Frauen im ehrenamtlichen Engagement können vom Sozialministerium mit jeweils bis zu 3.000 DM gefördert werden. Dabei kann es z.B. um die Weiterbildung und Qualifizierung von ehrenamtlich Engagierten, um die Vernetzung auf örtlicher, nationaler oder internationaler Ebene oder um die Verbesserung der Rahmenbedingungen für das ehrenamtliche Engagement gehen. Ausgewählte Projekte sollen landesweit öffentlich vorgestellt werden. Denn: "Die Vielzahl der Leistungen ehrenamtlich tätiger Frauen für die Gesellschaft sowohl außerhalb als auch innerhalb von Verbänden muß bewußt gemacht, die öffentliche Anerkennung ihres gesellschaftlichen Einsatzes verbessert und die (Frauen-) Verbände als Träger und Katalysatoren des ehrenamtlichen Engagements müssen gestärkt werden", so die Frauenbeauftragte der Landesregierung, Johanna Lichy, in ihrem vom Ministerrat verabschiedeten 10-Punkte-Programm einer zukunftsorientierten Frauenpolitik. Das Faltblatt mit der Ausschreibung kann beim Sozialministerium (Kennwort "Ohne uns läuft nichts!") angefordert werden. Hotline für Fragen zur Ausschreibung: 07 11/6 44-25 61 jeden Montag von 15.00 bis 17.00 Uhr.

Frauen planen und bauen


Die verstärkte Berücksichtigung von Frauenbelangen bei der Wohnungs-, Stadt-, Raum- und Verkehrsplanung ist ein neues Schwerpunktthema im 10-Punkte-Programm einer zukunftsorientierten Frauenpolitik der Frauenbeauftragten der Landesregierung, Johanna Lichy. Dazu gehören eine Vielzahl von landesübergreifenden, regionalen und örtlichen Initiativen und Maßnahmen.

Jetzt wurde das vom Sozialministerium zusammen mit dem Verband Region Stuttgart geförderte Gutachten zur Berücksichtigung von Frauenbelangen in der Regionalplanung am Beispiel des Verbandes Region Stuttgart veröffentlicht. Mit dem Gutachten, das auf Initiative des FrauenRatschlags Stuttgart in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium und dem Verband Region Stuttgart erstellt wurde, sind erstmals für Baden-Württemberg die Leitlinien einer frauengerechten Regionalplanung erarbeitet worden, die auch auf andere Regionen übertragbar sind. Staatssekretärin Johanna Lichy hat alle 11 Regionalverbände in Baden-Württemberg über das Gutachten informiert und gebeten, diese neuen Ansätze auch in den Regionen aufzugreifen.

Das Gutachten ist (in kleiner Stückzahl) beim Sozialministerium erhältlich (Kennwort: Regionalplanung).

Inzwischen fördert das Sozialministerium mit dem Verband Region Stuttgart ein Gutachten zur frauengerechten Verkehrsplanung.

Bei dem Wettbewerb der Arbeitsgemeinschaft Baden-Württembergischer Bausparkassen hat das Sozialministerium einen Sonderpreis zur frauen- und familienfreundlichen Stadt ausgelobt, der am 25. November1997 in Karlsruhe an die Stadt Stuttgart verliehen wird. In die Jury hatte das Sozialministerium die Vorsitzenden des Landesfamilienrates und des Landesfrauenrates entsandt.

In Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Architektinnen der Architektenkammer Baden-Württemberg, der Frauenbeauftragten der Universität Stuttgart und dem Institut Fortbildung Bau findet aktuell und bis Januar 1998 die Veranstaltungsreihe "Frauen bauen" mit Expertinnen aus Köln, Zürich, Wien und Aachen an der Universität Stuttgart statt (Kontakt: Architektenkammer Baden-Württemberg, Danneckerstr. 54, 70182 Stuttgart, Fax 07 11/21 96-1 03).

Die Planungswerkstatt Ulmer Frauen hat - ebenfalls mit Unterstützung des Sozialministeriums - zusammen mit der Architektenkammer Ulm und der Familienbildungsstätte Ulm die Veranstaltungsreihe "Stadt der Zukunft - Zukunft der Stadt" durchgeführt und "Leitbilder zur Stadtentwicklungsplanung aus Frauensicht für eine menschenfreundliche Stadt" veröffentlicht (Kontakt: Sabine Weineck-Hubert, Hermannstr. 14, 89077 Ulm, Gudrun Langbein, Herdbruckerstr. 6, 89073 Ulm).

Die Frauenbeauftragte der Stadt Konstanz, Christa Albrecht, veranstaltete, vom Sozialministerium gefördert, ein Seminar "Stadtbausteine aus Frauensicht" mit Gemeinderätinnen, Architektinnen und Stadtplanerinnen. Die Ergebnisse sind in einem Kriterienkatalog "Familienfreundliches Wohnen" zusammengefaßt, der jetzt veröffentlicht wurde (Konktakt: Frauenbeauftragte der Stadt Konstanz, Kanzleistr. 15, 78559 Konstanz, Fax 0 75 31/9 00-2 85, gegen frankierten Rückumschlag).

Unter der Federführung der Frauenbeauftragten der Stadt Karlsruhe, Annette Niesyto, fand am 27. September in Karlsruhe die FrauenStadtKonferenz mit Aktionen für mehr Beteiligung von Frauen und Mädchen an der Karlsruher Stadtgestaltung statt (Kontakt: Frauenbeauftragte der Stadt Karlsruhe, 76124 Karlsruhe, Fon: 07 21/1 33-30 62, Fax: 07 21/133-30 09).

Hingewiesen wird auch auf die neue Wanderausstellung "Innovative Wohnformen für Alleinerziehende". Die Ausstellung ist ein Ergebnis des gleichnamigen Bundesforschungsprojekts, das von 1993 bis 1996 in 10 Modellstädten durchgeführt wurde (Infos und Verleih: FOPA, Adlerstr. 81, 44137 Dortmund).

Viele Initiativen und Ansätze. Weitere werden folgen!AKTIV wird berichten.

Projekte
     

Eigenständige Alterssicherung der Frau


Zum Internationalen Frauentag 1998 bereitet das Sozialministerium eine Tagung zur eigenständigen Alterssicherung der Frau vor (zum Vormerken: 4. März 1998 in Stuttgart). Dieses wichtige Thema soll mit fundierten Vorträgen und anschließender Diskussion transparent gemacht, aufbereitet und für die öffentliche und politische Diskussion vorangebracht werden.

Damit bereits in den Fachvorträgen Ihre Anregungen und Fragen berücksichtigt werden können, reichen Sie diese vorab bei uns ein.

   
     

Frauen - Macht - Medien


Der Zugang zu den Medien ist eine der wichtigsten Formen, sich nicht nur zu informieren, sondern auch teilzuhaben am Geschehen der Gesellschaft. Zugang zu Medien bedeutet nicht nur, Öffentlichkeit herzustellen, Meinungen und Informationen zu verbreiten, sondern damit zugleich auch Gestaltung der Gesellschaft. Zudem ist die Medienbranche wirtschaftlich eine der wichtigsten Wachstumsbranchen.

Deshalb ist das Thema "Frauen und Medien" als neues Schwerpunktthema der Frauenpolitik des Landes im 10-Punkte-Programm einer zukunftsorientierten Frauenpolitik der Frauenbeauftragten der Landesregierung, Staatssekretärin Johanna Lichy, verankert. Die Arbeit von Frauen in den verschiedenen Bereichen und Branchen der Medien soll besser sichtbar gemacht, geschlechtsspezifische Strukturen und Fragen sollen verdeutlicht und auf die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in den Medien soll hingewirkt werden.
Ein Ergebnis der baden-württembergischen Fachtagung zur Nachbereitung der 4. Weltfrauenkonferenz in Peking war, daß bisher Zahlen und Daten über Frauen in den Medien im Land fehlen. Das Sozialministerium hat deshalb eine Untersuchung über die Repräsen-tanz von Frauen in den Medien in Baden-Württemberg in Auftrag gegeben, die Erkenntnisse über die faktische Ausgangslage und damit die Grundlage für weitere Schritte liefern soll. Erste Ergebnisse wollen wir in AKTIV vorstellen.

   
     
Frauenvertreterinnen


Wie im 10-Punkte-Programm einer zukunftsorientierten Frauenpolitik angekündigt, wird das Sozialministerium 1998 dem Parlament einen Bericht über die Erfahrungen mit dem Landesgleichberechtigungsgesetz, seinen Möglichkeiten und Schwierigkeiten, vorlegen. Am 20.10.97 fand auf Initiative der Frauenbeauftragten der Landesregierung, Staatssekretärin Johanna Lichy, ein Erfahrungsaustausch mit Frauenvertreterinnen statt. Bei den für März 1998 geplanten Fachtagungen sollen weitere Punkte gesammelt werden. Hierzu wird ein strukturierter Fragenkatalog erarbeitet, der in einem der nächsten Info-Briefe veröffentlicht wird.

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Andrea Mohr, am Desktop-Publishing-Arbeitsplatz im Sozialministerium bei der Produktion von AKTIV
   
     

In Planung

AKTIV 2 ( I. Quartal 1998): Leitthema Frauen in Europa
AKTIV 3 (II. Quartal 1998): Leitthema Frauen und Medien