AKTIV Frauen in Baden-Württemberg - Ausgabe 1 - 4/1997
   

Frauen in der Kommunalpolitik in Baden-Württemberg:
Politik-Power und Strategien

Rund 120 Gemeinde- und Kreisrätinnen in Baden-Württemberg haben bisher an den vom Sozialministerium Baden-Württemberg konzipierten und geförderten Gemeinderätinnen-Seminaren "Standort - Standpunkt - Strategie" im ganzen Land teilgenommen. Wer "Selbstfindungsseminare" oder "Wie fühle ich mich-Seminare" dahinter vermutet hat, lag absolut falsch. Bei dem Seminar "Standort - Standpunkt - Strategie" für Kreis-, Gemeinde- und Ortschaftsrätinnen sowie mögliche Nachrückerinnen geht es um Durchsetzungsstrategien, die den vorhandenen Sachverstand und Ideenreichtum der Kommunalpolitikerinnen ergänzen und ihrer politischen Arbeit zum Erfolg verhelfen können. Gerade in Zeiten eingeengter Handlungsspielräume in den Kommunen ist die Durchsetzung von frauen- und familienpolitischen Belangen häufig besonders schwierig. Es gilt vor allem auch, die noch zu wenigen Frauen, die sich in der Kommunalpolitik engagieren, in ihrer Arbeit zu bestärken.

Bisher wurde das Seminar von den Frauenbeauftragten, zum Beispiel im Landkreis Waldshut von Barbara Denz, im Ost-Alb-Kreis von Ingrid Krumm, von Cornelia Lange in Ludwigsburg, in Albstadt von Birgit Dietrichkeit, in Schwäbisch Hall von Ursula Hefter-Hövelborn, von Angelika Baur in Böblingen und im Main-Tauber-Kreis von Marga König erfolgreich durchgeführt.

Zum Thema
     

Gut angelegt sind die Zuschüsse des Sozialministeriums mit jeweils 2.000 DM (die Landeszentrale für politische Bildung beteiligt sich daran mit jeweils 500 DM), wie die Seminarauswertungen ergeben haben - die Erfolge können sich sehen lassen:

  • So haben Kommunalpolitikerinnen neue parteiübergreifende Netzwerke auch im ländlichen Raum geknüpft;
  • es wurden Runde Tische für Kommunalpolitikerinnen auf Stadt- bzw. Kreisebene initiiert
  • und es wurden gemeinsame Aktionen gestartet.

So gab es zu einem aktuellen Planungskonzept eine gemeinsame Stadtführung und anschließend ein Gespräch mit der zuständigen Baubürgermeisterin oder die Aktion "Beispiele erfolgreicher Strate-gien". In "Seminar-Folgeterminen" tauschen Seminarteilnehmerinnen regelmäßig erfolgreiche Strategien aus. Neben diesen strukturellen Erfolgen für die Frauenpolitik wurden von den Seminarteilnehmerinnen selbst besonders das neu erworbene Wissen auf dem Gebiet des Zeitmanagements, der Strategietechniken bei Verhandlungen und Sitzungen und neue Denkanstöße als Bereicherung für die eigene Arbeit hervorgehoben.

Bereits bewilligt sind die Zuschüsse für weitere Seminare, die von den Frauenbeauftragten Cornelia Bloch in Fellbach, Ursula Hefter-Hövelborn in Schwäbisch Hall, Dr. Edit Kirsch-Auwärter in Schorndorf, Renate Köster in Friedrichshafen, Ingrid Krumm in Schwäbisch Gmünd, Adelheid Maier in Mosbach und Heide Merkel in Breisach durchgeführt werden.

Für die Frauenbeauftragte der Landesregierung, Staatssekretärin Johanna Lichy, selbst seit über 20 Jahren kommunalpolitisch aktiv, heißt Frauenpolitik auch, die Chancen und Rahmenbedingungen für Kommunalpolitikerinnen zu verbessern, damit Frauenpolitik auch auf kommunaler Ebene von engagierten Frauen besser transportiert werden kann.

Die Gemeinderätinnenseminare können in der Regel in Trägerschaft der Frauenbeauftragten durchgeführt werden; eventuell kommt auch die Trägerschaft von Netzwerken oder Frauenbeiräten in Betracht.

  Ein Hinweisblatt mit den Zuwendungs-
voraussetzungen zur Förderung des Seminars durch das Sozialministerium und Antragsformulare erhalten Sie im Sozialministerium Baden-Württemberg, Kennwort: Gemeinderätinnenseminar.